Türkin Can und Juniorin Klosterhalfen Favoritinnen in Chia

Yasemin Can gewann in Amsterdam zwei EM-Goldmedaillen. © Getty Images / Dean Mouhtaropoulos

498 Läuferinnen und Läufer wurden von insgesamt 33 nationalen Verbänden für die Crosslauf-Europameisterschaften 2016 im italienischen Chia nominiert. Damit kann der Europäische Leichtathletik-Verband (EA) eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr, als die kontinentalen Crosslauf-Europameisterschaften im französischen Hyères stattgefunden haben, verzeichnen. Von den 498 nominierten Athleten teilen sich 233 Läuferinnen auf die drei im Programm stehenden Altersklassen (alle in eigenen Rennen) auf. Darunter befinden sich lediglich eine österreichische Läuferin, Cornelia Wohlfahrt (KLC).

Eine ÖLV-Solistin, ein Schweizer Toptalent und ein bärenstarkes deutsches Team

Die gerade einmal 16-jährige Kärntnerin tritt im Rennen der Juniorinnen (U20) über die Distanz von 4.150m an. Alleine aufgrund des biologischen Nachteils im Kampf gegen Läuferinnen, die teilweise knapp vier Jahre älter sind, wird Wohlfahrt in die Rolle der Außenseiterin gedrängt. Sie soll bei ihren ersten Crosslauf-Europameisterschaften vorwiegend Erfahrung für die Zukunft sammeln.
Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) schickt gleich ein Sextett ins Rennen und stellt die Favoritin auf die Goldmedaille. Titelverteidigerin Konstanze Klosterhalfen, die heuer bei den Junioren-Weltmeisterschaften im von ostafrikanischen Nationen dominierten Langstreckenlauf eine Medaille gewann und sich für die Olympischen Spiele qualifizieren konnte, ist die Läuferin im Feld, die es zu schlagen gilt. Neben Klosterhalfen tragen mit Alina Reh und Miriam Dattke zwei weitere Medaillenkandidatinnen schwarz-rot-gold, was eine Goldmedaille in der Teamwertung wahrscheinlich macht. Das DLV-Team komplettieren Esther Jacobitz, Lisa Oed und Antonia Schiel.
Die größten Konkurrentinnen der Deutschen im Kampf um die Medaillen könnten die sehr talentierte Dänin Anna Emilie Möller, die Britin Harriet Knowles-Jones und die Schweizerin Delia Sclabas sein, die ebenfalls erst 16 Jahre alt ist. Das Schweizer Quartett komplettieren Lara Alemanni, die bisher in dieser Saison gute Ergebnisse erzielte, Kerstin Rubin und Valerie Widmer. Auch das umfangreiche italienische Team will bei der Heim-EM im Kampf um die Spitzenplätze mitmischen.
 

Yasemin Can gewann in Amsterdam zwei EM-Goldmedaillen. © Getty Images / Dean Mouhtaropoulos
Yasemin Can gewann in Amsterdam zwei EM-Goldmedaillen. © Getty Images / Dean Mouhtaropoulos
Doppel-Europameisterin Favoritin

Im Rennen der Damen über die Distanz von 8,15 Kilometern gibt es eine klare Favoritin. Die aus Kenia stammende Türkin Yasemin Can dominierte die Entscheidungen über 10.000m und 5.000m bei den Europameisterschaften von Amsterdam spielerisch und agierte in einer eigenen Klasse. In Abwesenheit von Titelverteidigerin Sifan Hassan aus Holland dürfte Can, die am Renntag ihren 20. Geburtstag feiert, nicht zu schlagen sein. Am ehesten in Frage kommend für einen Sieg über sie ist wohl die zweifache Crosslauf-Europameisterin Fionnuala McCormack. Denn die 32-jährige Irin wies in den letzten Wochen eine beneidenswerte Form nach, lief in einem hervorragend besetzten Rennen in Atapuerca als beste Europäerin über die Ziellinie und siegte in Alcobendas sogar.

Schlumpf kämpft um Spitzenplatz
Veronica Inglese, hier beim EM-Halbmarathon in Amsterdam, entscheidet erst kurzfristig über ein Antreten. Sie ist durch eine Grippe geschwächt. © SIP / René van Zee
Veronica Inglese, hier beim EM-Halbmarathon in Amsterdam, entscheidet erst kurzfristig über ein Antreten. Sie ist durch eine Grippe geschwächt. © SIP / René van Zee
Das Rennen der Damen ist durchaus gut besetzt, eine starke Phalanx bewirbt sich um die Medaillenplätze. Dazu gehört auch Fabienne Schlumpf, die in den letzten Wochen mehrmals auf sich aufmerksam machen konnte, besonders durch den Sieg in Tilburg. Angesichts der großartigen Konkurrenz ist der Weg auf das Podest allerdings ein langer für die 26-Jährige, die von ihren Landsfrauen Yvonne Kägi, Molly Renfer und Martina Tresch begleitet wird. Zuletzt hatte die Schweiz vor 15 Jahren ein komplettes Damen-Team bei der Crosslauf-EM am Start.
Zur Gruppe der für eine Medaille in Frage kommenden Läuferinnen gehören Karoline Bjerkeli Grövdal aus Norwegen, im Vorjahr Bronzemedaillengewinnerin, die Niederländerin Elizeba Cherono, die Rumänin Ancuta Bobocel, die Türkin Özlem Kaya, die Belgierin Louise Carton (die 22-Jährige hat sich augenscheinlich gegen einen Start in der Altersklasse U23 entschieden, Anm.), die Spanierin Trihas Gebre und die britische Crosslauf-Europameisterin von 2014, Gemma Steel. Ein Fragezeichen schwebt über die beste Italienerin, Veronica Inglese, die im Vorfeld an Grippe erkrankt ist. Im Team Deutschlands feiert Julia Bleasdale ihr Debüt im Nationaltrikot ihrer neuen Heimat. Außerdem sind Marathon-Olympia-Teilnehmerin Anja Scherl, Jana Sussman und Fabienne Amrhein im Rennen.

Ennaoui und Lahti Favoritinnen im U23-Rennen

Auch in der Altersklasse U23 (Laufdistanz: 6.150m) tritt das deutsche Team mit Medaillenchancen an. Caterina Granz, Anna Gehring, Carolin Kirtzel, Maya Rehberg und Franziska Reng wiesen bei Crossläufen im Spätherbst durch die Bank eine gute Form nach. Die bekanntesten Namen im Feld sind die Polin Sofia Ennaoui, die Schwedin Sarah Lahti und die Britin Jessica Judd. Die Polin mit äthiopischen Wurzeln zeigte mit Rang drei beim Crosslauf in Soria und Rang sechs in Atapuerca auf. Die Skandinavierin, im Vorjahr beim Triumph der Belgierin Louise Carton Sechste, gewann heuer den Crosslauf in Mol vor Carton und Schlumpf, die beide bei den Erwachsenen am Start sind. Die Schweiz wird in diesem Rennen durch Flavia Stutz vertreten.
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Crosslauf-Europameisterschaften 2016 in Chia

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