Crosslauf-EM 2016: Herren-Rennen versprechen Spannung

© Veranstalter Crosslauf-Europameisterschaften 2016

Crosslauf-Europameisterschaften haben dank ihres traditionellen Termins am zweiten Dezember-Wochenende den Ruf von Rennen auf schlammigen oder winterlichem Untergrund. Nach den Titelkämpfen in Südfrankreich im vergangenen Jahr wird dies auch heuer nicht so sein. Der Weiler Chia (weniger als 300 Einwohner) war bis dato weit davon entfernt, irgendwie auf die internationale Landkarte zu kommen – trotz seines Daseins als Urlaubsdestination und Surfer-Geheimtipp. Doch als Austragungsort der Crosslauf-Europameisterschaften 2016 hat der an der Südspitze Sardiniens, unweit von der Regionalhauptstadt Cagliari gelegene Ort zumindest die Aufmerksamkeit der europäischen Leichtathletik für sich – zumal die Qualität der Teilnehmerfelder großartig ist.
Die unweit des Strandes liegende Geländestrecke liefert optimale Laufbedingungen, bis zu 18°C. sind für kommenden Sonntag angesagt – strahlender Sonnenschein inklusive. Die seit 1994 jährlich durchgeführten Kontinentalmeisterschaften im Crosslauf – oder wie man in deutsch ungeschickt sagt: Querfeldein – findet damit nach Ferrara 1997 und San Giorgio su Legnano 2006 zum dritten Mal auf italienischem Boden statt. Nur in Großbritannien war Europas Crosslauf-Elite ebenso häufig zu Gast.
 

© Veranstalter Crosslauf-Europameisterschaften 2016
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Spanische Phalanx fordert Arikan
Nicht weniger als fünf österreichische Läufer stehen an der Startlinie des 10.150 Meter langen Rennens der Herren. Angeführt wird die ÖLV-Delegation vom erfahrenen Andreas Vojta (team2012.at). Außerdem sind Christian Steinhammer (USKO Melk), mehrmals bereits bester Österreicher bei Crosslauf-Europameisterschaften, Valentin Pfeil (LAC Amateure Steyr), Stephan Listabarth (DSG Volksbank Wien) und Roland Fencl (DSG Volksbank Wien) dabei. Die Österreicher spekulieren mit einer ordentlichen Platzierung in der Teamwertung, vordere Positionen in der Einzelwertung sind mit Sicherheit außer Reichweite. Dafür ist die Konkurrenz zu stark.
Nachdem der türkische Verband seine beiden Stars Polat Kemboi Arikan und Ali Kaya auf zwei Rennen aufteilte, um sowohl bei den Herren als auch in der Klasse U23 die Goldmedaille gewinnen zu können, ist der Europameister von 2014 (Arikan) wohl der Favorit. Aber es stellt sich ihm eine starke Gruppe ambitionierter Konkurrenten entgegen, die ihm den Sieg streitig machen möchte und ebenfalls nach Edelmetall strebt. Beeindruckend stark ist das spanische Team, das bereits im Vorjahr die Teamwertung dominierte. Mit Adel Mechaal, Ilias Fifa und Ayad Lamdassem haben die Spanier drei absolute Medaillenkandidaten im Team und auch Antonio Abadia, Javier Garcia, Jose Espana und Daniel Mateo sind wahrlich keine schlechten Läufer. In die Gruppe der erweiterten Favoriten gehören auch die Skandinavier Abdi Hakin Ulad (Dänemark) und Sondre Norstad Moen (Norwegen) sowie der Franzose Florian Carvalho und das britische Trio Andrew Butchart (Olympia-Sechster im 5.000m-Lauf), Callum Hawkins und Andy Vernon. Der DLV ist durch Florian Orth vertreten, Swiss Athletics durch Andreas Kempf und Marco Kern. Ähnlich wie für die Österreicher geht es für sie nicht um Spitzenplätze.

Talente-Schau bei den Junioren

Mit 96 gemeldeten Athleten ist das Rennen der Altersklasse U20 der Burschen das von der quantitativen Anzahl der Starter größte. Für Österreich gehen Stefan Schmid (SVS Leichtathletik) und Maximilian Fridrich (ÖTB Salzburg LA) auf die 6.150 Meter lange Strecke. Dabei kämpft vor allem Schmid um eine gute Platzierung im vorderen Feld, aus dem es nicht leicht ist, einen Favoriten herauszuziehen. Traditionell stark sind die Türken, mit Ferhat Bozkurt und Ramazan Karagöz an der Spitze eines Sextetts. Zu beachten gilt es auch das britische Talent Alexander Yee und den erst 16 Jahre alten, jüngsten Läufer der Ingebrigtsen-Dynastie aus Norwegen. Experten behaupten, dass Jakob der talentierteste der drei Brüder sei. Henrik und Filip haben jeweils einen EM-Titel im 1.500m-Lauf errungen.
Der DLV schickt ein Sextett ins Rennen: Thilo Brill, Lukas Eisele, Marvin Heinrich, Jens Mergenthaler, Jannik Seelhöfer und Marc Tortell. Swiss Athletics wird vertreten durch Abraham Ashene, Marc Bill, Simon Schüpbach und Yan Volery.

Kaya haushoher Favorit

„Ich bin sehr froh, mit einem großen Team nach Italien reisen zu können und freue mich, dass dem Laufsport dieser Stellenwert im ÖLV eingeräumt ist. Der Crosslauf ist ja bekanntlich der am stärksten besetzte Laufbewerb, weil sich hier Läufer aus verschiedenen Laufdisziplinen aufeinander treffen“, sagt ÖLV-Nationaltrainer Günther Weidlinger vor den Crosslauf-Europameisterschaften 2016. Die besten Chancen auf gute Platzierungen in der Einzelwertung traut er dem U23-Team zu. Hans Peter Innerhofer (LC Oberpinzgau), Julian Kreutzer (SU IGLA long life), Luca Sinn (UAB Athletics) und Timon Theuer (team2012.at) gehen für Österreich in das 8.150 Meter lange Rennen.
Aussichtsreiche Medaillenkandidaten sind Titelverteidiger Jonathan Davies aus Großbritannien, Carlos Mayo aus Spanien (im Vorjahr Silber), Isaac Kimeli aus Belgien, Yemaneberhan Crippa aus Italien (im Vorjahr U20-Europameister im Crosslauf), Amanal Petros aus Deutschland (im Vorjahr Bronze) und Napoleon Solomon aus Schweden. Doch es gibt einen haushohen Favoriten, der wohl unter einigermaßen normalen Umständen nicht zu schlagen sein wird: Ali Kaya, der bei den Junioren-Europameisterschaften 2015 auf den Langstrecken nicht nur eine Liga, sondern zwei Ligen über dem Rest agierte. Im vergangenen Jahr gewann der 22-Jährige mit kenianischen Wurzeln Crosslauf-EM-Gold in der offenen Klasse.
Während Jonas Raess der Schweizer Einzelkämpfer im Rennen ist, sind mit Tobias Blum, Simon Boch, Patrick Karl, Amanal Petros, Philipp Reinhart und Kidane Tewolde gleich sechs Deutsche dabei.
Die RunAustria-Vorschau auf die Damen-Bewerbe: Türkin Can und Juniorin Klosterhalfen Favoritinnen in Chia
Crosslauf-Europameisterschaften 2016 in Chia

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