Mamitu Daska verhindert Heimsieg durch Fate Tola

© SIP / Johannes Langer

Jubel bei Fate Tola im Ziel des Frankfurt Marathon. Rang zwei, deutscher Meistertitel und WM-Norm. © Frankfurt Marathon
Jubel bei Fate Tola im Ziel des Frankfurt Marathon. Rang zwei, deutscher Meistertitel und WM-Norm. © Frankfurt Marathon
15 Sekunden haben am Ende zum ersten deutschen Heimsieg beim ältesten jährlich stattfindenden Stadtmarathon Deutschlands seit acht Jahren gefehlt. Damals war Sabrina Mockenhaupt zum Sieg gelaufen. In den Jahren danach setzte der Frankfurt Marathon vermehrt auf ostafrikanische Elite auch bei den Damen, was nicht nur die Zeiten drückte, sondern auch Heimsiege unmöglich machte. Doch heuer hätte es für die Neo-Staatsbürgerin Fate Tola beinahe gereicht. Bei ihrem ersten Marathon seit ihrer Einbürgerung lief die zweifache Siegerin des Vienna City Marathon ihre zweitschnellste Zeit über die 42,195 Kilometer überhaupt und krönte sich in einer Zeit von 2:25:42 Stunden zur deutschen Meisterin. Schneller war nur die Äthiopierin Mamitu Daska, die ihren Vorsprung in einer Zeit von 2:25:27 Stunden noch über die Ziellinie rettete und damit ihren zweiten Sieg in Frankfurt nach 2011 feierte.

Sieg nach langer Durststrecke

Fünf Jahre, nachdem die nun 33-jährige Äthiopierin mit einem Streckenrekord in der Mainmetropole glänzte, war der neuerliche Erfolg in Frankfurt Balsam für eine geschundene Marathonseele. Denn in letzter Zeit gelang Mamitu Daska auf internationalem Level sehr wenig, der grandiose Ausreißer nach oben war ein zwischenzeitlicher äthiopischer Landesrekord im Halbmarathon. Dagegen war sie im Marathon mehrfach hinter den Erwartungen geblieben. Nicht aber in Frankfurt, wo sie die Erwartungen erfüllte und ihrer Favoritenrolle gerecht wurde. „Es war mein Ziel, das Rennen zu gewinnen. Aber es wurde zum Schluss richtig hart“, zeigte sich die Erleichterung nach dem Rennen förmlich im Gesicht der Siegerin.

Fernduell

Denn ab Kilometer 35 musste die Äthiopierin ordentlich in den sauren Apfel beißen, um den zu diesem Zeitpunkt passablen Vorsprung zu verteidigen. Sie konnte ihr Tempo nicht mehr halten, die Schmerzen in der Bauchgegend wurden stärker. Daher entwickelte sich ein unerhofftes Fernduell zwischen der späteren Siegerin und der Neo-Deutschen Fate Tola, die sich ihr Rennen optimal eingeteilt hat und beängstigend rasch näher rückte. Am Ende sollte Tola in einem Nebensatz erwähnen, dass sie nicht früh genug realisiert hatte, wie nahe sie der Führenden bereits gerückt war. Daska rettete sich mit 15 Sekunden Vorsprung ins Ziel, es war der kleinste Abstand zwischen beiden Läuferinnen seit der Startphase.
Denn wie geplant setzten sich die beiden Äthiopierinnen Mamitu Daska und Sutume Kebede gemeinsam ab und passierten die Halbmarathonmarke in einer starken Zwischenzeit von 1:10:40 Stunden. Kurz darauf setzte sich die Favoritin ab, als bei Kilometer 25 erste Anzeichen von Beschwerden in der Magengegend auftraten. Sieben Kilometer vor dem Ziel hatte Daska einen komfortablen Vorsprung von zwei Minuten und 40 Sekunden und war immer noch unterwegs in Richtung einer der zehn schnellsten Marathonzeiten des Jahres. Doch dann kam der Einbruch, der noch dramatischer hätte werden können, wäre Tola tatsächlich noch vorbei gerutscht.
 

Mamitu Daska auf dem Weg zu ihrem zweiten Sieg beim Frankfurt Marathon. © SIP / Johannes Langer
Mamitu Daska auf dem Weg zu ihrem zweiten Sieg beim Frankfurt Marathon. © SIP / Johannes Langer
WM-Qualifikation und Rang vier in der ewigen Bestenliste des DLV

Auch wenn der Sieg schlussendlich greifbar näher war als sich Fate Tola während der 42,195 Kilometer jemals hätte vorstellen können, war die 29-jährige Mutter einer kleinen Tochter mit ihrem ersten Marathon für ihr neues Heimatland mehr als zufrieden. „Als ich im Ziel eine 2:25er Zeit gesehen habe, war ich überrascht. Für mich hat alles gut funktioniert, es war ein tolles Erlebnis.“ Nur Marathonrekordhalterin Irina Mikitenko (2:19:19 Stunden bei ihrem Sieg beim Berlin Marathon 2008, Anm.), die deutsche Marathon-Legende Uta Pippig und die heutige Bundestrainerin Katrin Dörre-Heinig sind in den ewigen Bestenlisten des DLV noch vor Fate Tola. Das Ticket für die Weltmeisterschaften im kommenden Sommer in London ist ebenfalls gebucht, denn die gebürtige Äthiopierin unterbot das neue Marathon-Limit um fast vier Minuten. Ausgeschlossen, dass in den nächsten Monaten noch drei deutsche Läuferinnen eine schnellere Qualifikationszeit anbieten werden. Der deutsche Meistertitel zum Einstand einer neuen Epoche in Tolas sportlicher Karriere, war das kleine, aber feine Sahnehäubchen auf der süßen Torte.

Zahlreiche Bestleistungen

Insgesamt lieferte der Frankfurt Marathon ein eher untypisches Endresultat für einen Marathon seiner Güte. Nur drei Afrikanerinnen schafften den Sprung unter die besten Zehn. Das waren nach der Aufgabe von Sutume Kebede die drittplatzierte Kenianerin Sarah Jebet, die in einer Zeit von 2:27:07 Stunden ein gutes Rennen mit einer neuen persönliche Bestleistung krönte, und die junge Äthiopierin Helen Bekele auf Rang sieben. Sehr zufrieden sein durften die US-Amerikanerin Lindsay Flanagan mit Rang vier und die Britin Charlotte Purdue mit Rang fünf. Flanagan verbesserte ihre persönliche Bestleistung um über dreieinhalb Minuten, Purdue ihre um über zweieinhalb Minuten.
Jubel über die persönlichen Leistungen brandete auch bei Martina Strähl und Mona Stockhecke auf. Die Schweizerin verbesserte ihren „Hausrekord“ gleich um rund sechs Minuten und klassierte sich auf einem hervorragenden sechsten Platz. Die 29-Jährige hatte genau die richtige Gruppe erwischt, die ihrem geplanten Tempo entsprach, und sprach anschließend von einem „perfekten Rennen“ bei einer „grandiosen Stimmung.“ Nur eine halbe Minute später passierte Mona Stockhecke als deutsche Vize-Meisterin vor Triathletin Anne Haug (Olympia-Teilnehmerin von Rio), die bei ihrem ersten reinen Marathonlauf Zwölfte wurde, die Ziellinie auf Rang acht. Auch sie hatte ihr Ziel erreicht und eine persönliche Bestleistung erzielt. „Ich bin glücklich, dass es für mich so aufgegangen ist. Ich habe alles gegeben, was heute drin war“, so die Hamburgerin, die im Frühjahr das WM-Limit des DLV attackieren möchte.

Back-to-back-Marathon von Freitag

Auch zwei Österreicherinnen konnten sich im erweiterten Spitzenfeld des diesjährigen Frankfurt Marathon platzieren. Katharina Zipser (SK Rückenwind) erzielte eine persönliche Bestleistung von 2:45:56 Stunden (Bruttozeit für das gültige Endresultat: 2:46:00 Stunden) und erreichte als 23. das Ziel in der Festhalle der Frankfurter Messe. Nur wenige Sekunden später überquerte auch Karin Freitag (LG Decker Itter) die Ziellinie. Die routinierte Tirolerin absolvierte das Kunststück zweier Marathons binnen sieben Tage – selbst für die als Vielläuferin bekannte, vierfache Staatsmeisterin ein Novum. Exakt eine Woche nach ihrem Sieg beim Lucca Marathon in persönlicher Bestleistung von 2:43:00 Stunden (siehe RunAustria-Bericht) verfehlte sie diese Marke trotz der marginalen Regenerationszeit lediglich um gut drei Minuten.
Das Herren-Rennen auf RunAustria.at: Korir führt kenianischen Dreifacherfolg in Mainhattan an
 

Ergebnis Frankfurt Marathon der Damen

1. Mamitu Daska (ETH) 2:25:27 Stunden
2. Fate Tola (GER) 2:25:42 Stunden
3. Sarah Jebet (KEN) 2:27:07 Stunden
4. Lindsay Flanagan (USA) 2:29:28 Stunden
5. Charlotte Purdue (GBR) 2:30:04 Stunden
6. Martina Strähl (SUI) 2:30:58 Stunden
7. Helen Bekele (ETH) 2:31:27 Stunden
8. Mona Stockhecke (GER) 2:31:27 Stunden
9. Tracy Barlow (GBR) 2:32:05 Stunden
10. Milda Vilcinskaite (LIT) 2:34:48 Stunden
11. Giovanna Epis (ITA) 2:35:37 Stunden
12. Anne Haug (GER) 2:36:13 Stunden
13. Doris Changeiywo (KEN) 2:36:55 Stunden
14. Julia Davis (GBR) 2:39:31 Stunden
15. Tina Uphoff (GER) 2:41:35 Stunden
16. Vanessa Pittet (SUI) 2:42:04 Stunden
17. Julia Galuschka (GER) 2:43:06 Stunden
18. Isabel Leibfried (GER) 2:44:33 Stunden
19. Maria Ebbesen (DEN) 2:44:32 Stunden
20. Daniela Äschbacher (SUI) 2:44:32 Stunden

23. Katharina Zipser (AUT) 2:46:00 Stunden
24. Karin Freitag (AUT) 2:46:18 Stunden
44. Manuela Dungl (AUT) 2:54:36 Stunden
Frankfurt Marathon