Amsterdam Marathon am Sonntag mit Starbesetzung

© SIP / Myra May

Bernard Kipyego feiert 2014 im Olympia Stadion von Amsterdam seinen ersten Marathon-Sieg. © SIP / Johannes Langer
Bernard Kipyego feiert 2014 im Olympia Stadion von Amsterdam seinen ersten Marathon-Sieg. © SIP / Johannes Langer
Wenn am kommenden Sonntag in der Hauptstadt das größte Laufsportfest in der sportverrückten Niederlande über die Bühne geht, ist nicht nur ein außergewöhnliches Lauferlebnis für über 40.000 gemeldete Teilnehmer garantiert. Denn der Amsterdam Marathon hat sich in den letzten Jahren qualitativ hervorragend entwickelt und bietet den Läuferinnen und Läufern eine der schönsten Marathonstrecken der Welt. Gleichzeitig verspricht der Amsterdam Marathon in diesem Jahr große Spannung auf leistungssportlicher Ebene. Bei den Herren soll der Streckenrekord fallen, während das Damen-Rennen ein Duell zwischen zwei Stars verspricht, die in letzter Zeit etwas aus der Mode gekommen sind, aber unbedingt wieder in der ersten Reihe sitzen möchten.

Ein Rennen für eintönige Siegerlisten

Dass in den Siegerlisten des Amsterdam Marathon in den letzten Jahren nur zwei verschiedene Namen stehen, liegt an den kenianischen Serientätern Wilson Chebet und Bernard Kipyego. Chebet gewann zwischen 2011 und 2013 dreimal und verbesserte zweimal den Streckenrekord, was ihm den Spitznamen Mr. Amsterdam einbrachte. Als Chebets Siegesserie riss, nützte Bernard Kipyego die Chance und gewann zweimal in Folge. In diesem Jahr soll das Triple her, zumal die bisherige Saison für den 30-Jährigen recht gut lief. Rang zwei beim Tokio Marathon hinter Olympia-Silbermedaillengewinner Feyisa Lilesa unterstreicht dies. „Ich habe zwei Ziele für Amsterdam“, so der 30-Jährige, „Ich will gewinnen und den Streckenrekord unterbieten. Meine Form ist gut, deshalb bin ich zuversichtlich, beide Ziele erreichen zu können.“

Streckenrekord im Visier

Wenn Kipyego als erst dritter Läufer in der 41-jährigen Geschichte der Veranstaltung den Hattrick vollenden möchte (Der Holländer Gerard Nijboer gewann in den 80er Jahren viermal, Anm.), muss er sich wohl strecken. Denn wenn die Bedingungen am Sonntag günstig sind, soll der Streckenrekord fallen. Den hält Chebet in einer Zeit von 2:05:36 Stunden, womit er 43 Sekunden unter der persönlichen Bestmarke des Titelverteidigers liegt. Die Wettervorhersage ist übrigens viel versprechend, auch wenn der Wind – wie so häufig in Amsterdam – eine unliebsame Rolle spielen könnte.
Die hohen Ambitionen des Veranstalters untermalt die Besetzung des Elitefelds. Mit Sammy Kitwara steckt ein Weltklasseläufer in der Favoritenrolle, der 2014 beim Chicago Marathon Weltklasseleuten wie Eliud Kipchoge und Kenenisa Bekele die Stirn bot und in einer persönlichen Bestleistung von 2:04:28 Stunden auf das Stockerl lief. Kitwaras Stärke ist seine Tempohärte, die er sehr erfolgreich in aller Regelmäßigkeit in 10km-Läufen und Halbmarathons zur Schau stellt. Die Favoritenrolle auf den Sieg in Amsterdam, der in den letzten zehn Jahren übrigens neunmal an einen Kenianer ging, kann er nicht von der Hand weisen.
 

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Der zweite Starter mit einer persönlichen Bestleistung von unter 2:05 Stunden ist der Äthiopier Dino Sefir. Seinen „Hausrekord“ lief er allerdings vor fast fünf Jahren in Dubai, danach bewegte er sich eher im Zeitenbereich von 2:08-2:10 Stunden und bekam selten Startplätze bei den großen internationalen Marathons. Ob er der eigenen Ambition Sieg mit Streckenrekord einen realen Anstrich verleihen kann, ist daher äußerst fraglich. Ob Chebet und Kipyego in der Lage sind, eine 2:05er Zeit anzubieten, ist freilich ebenso unsicher. Bei Kipyego, weil er es bisher noch nie geschafft hat und bei Chebet, weil dessen Resultate in den letzten beiden Saisonen sehr unkonstant waren.
Der erst 22 Jahre alte Äthiopier Mulle Wasihun ist ebenfalls ein aussichtsreicher Tipp auf eine Podestplatzierung. Beim Dubai Marathon belegte er Rang fünf, laut eigener Aussage fühlt er sich dieses Mal aber besser vorbereitet als beim Marathon im Wüstenemirat zu Jahresbeginn.

Duell Kenia gegen Äthiopien
Ruth van der Meijden stoppt die Uhr rechtzeitig, um beim Halbmarathon im Rahmen des Salzburg Marathon eine persönliche Bestleistung festzustellen. © Salzburg Marathon / Uwe Brandl
Ruth van der Meijden stoppt die Uhr rechtzeitig, um beim Halbmarathon im Rahmen des Salzburg Marathon eine persönliche Bestleistung festzustellen. © Salzburg Marathon / Uwe Brandl
Das große Duell im Rennen der Damen lautet Priscah Jeptoo gegen Meselech Melkamu und ist eines zweier Läuferinnen, die bereits große Erfolge gefeiert haben. Diese liegen allerdings schon ein paar Jährchen zurück, weshalb beide in Amsterdam die Chance nützen wollen, mit einem Erfolg und einer entsprechenden Zeit in die Weltklasse zurückzukehren. Die Äthiopierin scheint auf einem guten Weg dorthin, denn die bisherige Saison verläuft um Klassen besser als die letzten Jahren. Einem starken dritten Platz in Dubai folgte ein grandioser Sieg beim Hamburg Marathon bei schwierigen Bedingungen – in der zweitschnellsten Marathon-Zeit der Karriere. Damit ist die ehemalige Weltklasseläuferin übe 10.000m schon sehr nahe an ihre persönliche Bestleistung herangerückt, die die 31-Jährige bei einem fabelhaften Marathon-Debüt vor vier Jahren in Frankfurt aufgestellt hat.
Die letzten Jahre der Priscah Jeptoo verliefen unglücklich. Nach Triumphen auf höchster Marathon-Ebene in London oder New York sowie dem Gewinn der Olympischen Silbermedaille 2012 und der WM-Silbermedaille im Jahr davor erlitt sie einen Beinbruch. Diese schwere Verletzung warf sie aus der Bahn und der Weg zurück gestaltete sich äußerst schwierig, weil Folgeprobleme wie konstante Rückenschmerzen auftraten. Der Amsterdam Marathon ist ein neuerlicher Versuch, an die alte Leistungsfähigkeit anzuknüpfen. „Ich bin glücklich, erstmals den Amsterdam Marathon zu laufen. Ich fühle mich gut, habe erstmals seit langer Zeit keine Schmerzen mehr und habe mich gut vorbereitet“, so die 32-Jährige, die eine Zeit zwischen 2:22 und 2:23 Stunden anvisiert.
Das vermutlich beste Starterfeld der Damen in Amsterdam seit Jahren ergänzen Abebech Afework aus Äthiopien und Lucy Karimi aus Kenia. Angesichts der großen Namen ist der Streckenrekord ein Thema. Allerdings ist die Marke der Äthiopierin Meseret Hailu (2:21:09 Stunden) zwar nicht außerhalb einer realistischen Reichweite, aber es wird wohl eine außergewöhnliche Leistung benötigen, um diese Leistung zu überflügeln.

Salzburgs Halbmarathon-Siegerin Favoritin auf Meistertitel

Im Rahmen des Amsterdam Marathon werden heuer die niederländischen Meisterschaften im Marathonlauf ausgetragen. Bei den Herren bahnt sich ein Duell zwischen Khalid Choukoud und Koen Raymaekers an. Bei den Damen ist Ruth van der Meijden, im Mai Siegerin des Halbmarathon beim Salzburg Marathon, die Favoritin.
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