Rio 2016: Rot-weiß-rotes Sextett im „Engenhao“

© SIP / René van Zee

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Mit sechs Leichtathletinnen und Leichtathleten ist der Österreichische Leichtathletik-Verband (ÖLV) bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro vertreten und schickt damit ein größeres Aufgebot als bei den letzten beiden Weltmeisterschaften ins Rennen, allerdings einen Sportler weniger als bei den letzten Olympischen Spielen. Ob dabei ein fantastischer Top-Acht-Platz wie bei den letzten Spielen in London durch Hürdensprinterin Beate Schrott (Union St. Pölten) gelingt, bleibt abzuwarten, scheint aber nicht gänzlich unmöglich. Die 28-Jährige ist nicht mehr in der Form von vor vier Jahren und kommt für eine Finalteilnahme nicht in Frage. Dafür stehen die Chancen auf ein Spitzenresultat von Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger (ÖTB OÖ LA) nach den bisherigen, in dieser Saison gezeigten Leistungen nicht schlecht. Dafür benötigt der Österreicher aber einen starken Auftritt, denn in den letzten Monaten sind zahlreiche Athleten in der Jahreswertung an ihm vorbeigezogen und er ist nur noch die Nummer 26 der Weltjahresbestenliste, was die Erwartungen senken lässt. Von der Verletzung, die eine EM-Teilnahme verhindert hat, ist der Oberösterreicher wieder vollständig genesen. Zu den Weltmeisterschaften in Peking war Weißhaidinger als Medaillenkandidat angereist, verpatzte aber vor Ort bei seinem ersten großen internationalen Wettkampf die Qualifikation.
Jennifer Wenth im WM-Finale über 5.000m in Peking. © GEPA Pictures
Jennifer Wenth im WM-Finale über 5.000m in Peking. © GEPA Pictures
Auftakt mit Österreich

41 der 47 Leichtathletik-Bewerbe besetzt Österreich nicht, aber die ersten beiden. Den rot-weiß-roten Start legt Lukas Weißhaidinger im Qualifikationswettkampf im Diskuswurf hin. Noch bevor der Österreicher zum ersten Wurf antreten wird, startet EM-Bronzemedaillengewinnerin Ivona Dadic (Union St. Pölten) in ihre erste Disziplin im Siebenkampf. Während der Siebenkampf der Damen die ersten beiden Wettkampftage beherrscht, findet das Finale im Diskuswurf am Samstagnachmittag mitteleuropäischer Zeit statt – also am brasilianischen Vormittag. Am Sonntag tritt Andrea Mayr (SVS Leichtathletik) im Marathonlauf der Damen an. Nach einem „österreichischen Ruhetag“ kommen am Dienstag Jennifer Wenth (SVS Leichtathletik) im Vorlauf über 5.000m und Beate Schrott im Vorlauf im Hürdensprint an die Reihe. Überraschende Finalteilnahmen der beiden würden auf die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (Schrott) und die Nacht von Freitag auf Samstag (Wenth) fallen. Den prognostizierten Abschluss der rot-weiß-roten Olympia-Beteiligung in der Olympischen Kernsportart bildet der Zehnkampf der Herren am Mittwoch und Donnerstag mit Dominik Distelberger (UVB Purgstall). Mit Prognosen hielt sich der Österreichische Leichtathletik-Verband im Vorfeld vornehm zurück. Bisher konnte man auf einen sehr erfolgreichen Sommer zurückblicken, was vor allen Dingen die Jugend-Europameisterschaften und die Junioren-Weltmeisterschaften mit den Erfolgen von Mehrkämpferin Sarah Lagger, aber auch die EM-Medaille von Dadic betrifft.
Die Startzeiten der Österreicher
Ivona Dadic – Siebenkampf der Damen – Freitag, 12. August und Samstag, 13. August
Lukas Weißhaidinger – Diskuswurf der Herren – Freitag, 12. August um 14:30 Uhr MEZ (Qualifikation) und Samstag, 13. August um 15:50 Uhr MEZ (Finale) *
Andrea Mayr – Marathon der Damen – Sonntag, 14. August um 14:30 Uhr MEZ
Jennifer Wenth – 5.000m-Lauf der Damen – Dienstag, 16. August um 14:30 Uhr MEZ (Vorläufe) und Samstag, 20. August um 02:40 Uhr MEZ (Finale) *
Beate Schrott – 100m-Hürdensprint der Damen – Dienstag, 16. August um 16:05 Uhr (Vorläufe), Donnerstag, 18. August um 01:45 Uhr (Halbfinals) * und Donnerstag, 18. August um 03:55 Uhr (Finale) *
Dominik Distelberger – Zehnkampf der Herren – Mittwoch, 17. August und Donnerstag, 18. August
* Finalteilnahme nur bei erfolgter Qualifikation

„Mit Leidenschaft und Willen“
Bei den Weltmeisterschaften in Peking schaffte Gesa Felicitas Krause mit ihrer Bronzemedaille für das herausragende Ergebnis der deutschen Läufer. © Getty Images for IAAF / Alexander Hassenstein
Bei den Weltmeisterschaften in Peking schaffte Gesa Felicitas Krause mit ihrer Bronzemedaille für das herausragende Ergebnis der deutschen Läufer. © Getty Images for IAAF / Alexander Hassenstein
Mit 89 Leichtathleten und 50 Betreuern tritt der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) in Rio an. „Wer mit Leidenschaft und Willen eine Sache angeht, wer an sich und seine Sache glaubt, der hat alle Chancen, für sich gewinnen“, gibt DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen die Marschrichtung vor. Deutschland will sich vor allen Dingen auf seine Erfolgsgaranten aus dem Wurfbereich verlassen. DLV-Cheftrainer Idress Gonschinska warnt aber vor übertriebenen Erwartungen und verbissenes Festhalten an Medaillen-Vorgaben: „Für die Bewertung und Einordnung der Leistungen benötige ich den Medaillenspiegel nicht. Aber: Jeder Wettkampftag bietet eine Chance.“
Der Schweizer Leichtathletik-Verband Swiss Athletics ist mit einem für ein derartig kleines Land beachtlichen Kontingent von 17 Leichtathleten am Start, dem größten Team seit 20 Jahren. Die Schweizer Leichtathletik hat in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt, den Schwung aus Amsterdam will Swiss Athletics nun mit nach Rio nehmen. Medaillen sind nicht vorprogrammiert, vielleicht kann Stabhochspringerin Nicole Büchler mit einer Sensation eine außergewöhnlich starke Saison krönen.

Medaillenentscheidungen am Vormittag

Kritisch beäugt wird der Zeitplan der Olympischen Spiele in Rio. Denn der Veranstalter zog einige Medaillenentscheidungen in die Vormittagssession. Das ist einerseits aufgrund der Zeitverschiebung angenehm für europäische Leichtathletikfans, denn die Abendsession verlegt sich in die europäischen Nachtstunden. Andererseits drohen dabei Medaillenentscheidungen mit geringerem Zuschauerinteresse vor Ort. Neben den beiden Marathons finden drei weitere Finalentscheidungen im Laufbereich in den brasilianischen Vormittagsstunden statt: die beiden Hindernisläufe und der 10.000m-Lauf der Damen am Auftakttag.

Rund 60.000 Zuschauer

Die Leichtathletik-Entscheidungen finden im nach dem ehemaligen FIFA-Präsidenten Joao Havelange benannten Estadio Olimpico – eine umstrittene Taufe – statt, da im Fußballtempel der brasilianischen Metropole, dem Maracana keine Laufbahn integriert ist. Das Olympiastadion, das bisher unter dem Namen „Engenhao“ bekannt war, wurde zu den Panamerikanischen Spielen im Jahr 2007 erbaut und fasst rund 47.000 Zuschauerplätze. Die Fans des Fußballclubs Botafogo FR, der das Stadion beheimatet, falls gerade keine Olympischen Spiele stattfinden, schätzen diese auf den gleichnamigen Stadtteil zurückgehende Bezeichnung nicht und haben das Stadion nach ihrer Vereinslegende Nilton Santos benannt. Für die Olympischen Spiele 2016 wurde die Kapazität des Stadions durch Zusatztribünen auf 60.000 Plätze erhöht. Damit ist das Olympiastadion von Rio das kleinste Olympiastadion seit den Olympischen Spielen von Barcelona im Jahr 1992.
Olympische Spiele 2016 in Rio de Janeiro