Rio 2016: Erhöhte Aufmerksamkeit für Kenias Leichtathleten

© SIP

© SIP
© SIP
Kenias Leichtathleten stehen bei den Olympischen Spielen unter erhöhter Beobachtung. Denn die ostafrikanische Läuferhochburg ist eines jener Länder mit den größten Doping-Problemen in der Leichtathletik, das kommunizieren auch der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) und die Welt Anti Doping Agentur (WADA) so. 40 kenianische Athleten wurden in den letzten Jahren erwischt, bis auf wenige Ausnahmen (Halbmarathonläufer Mathew Kisorio 2012 und Marathon-Star Rita Jeptoo 2014 etwa) zappelten keine großen Fische im Doping-Netz. Doch: Wer Athleten des Dopings überführt, kann auch darauf verweisen, etwas gegen Doping zu unternehmen.

Generalverdacht nach Sieg im Medaillenspiegel

Seitdem sich Kenia bei den Weltmeisterschaften 2015 in Peking erstmals an die Spitze des Medaillenspiegels setzte und auch Medaillen außerhalb der Laufdisziplinen holte, schrillten weltweit die Alarmglocken und der internationale Neid stieg. Seither hat der kenianische Anti-Doping-Kampf markante Fortschritte erzielt, der Weg ist aber noch lang. Es ist offensichtlich, dass die kenianischen Olympia-Teilnehmer unter einer Art „Generalverdacht“ in Rio antreten werden, gegen den sich die Stars seit Monaten entschieden wehren.

Chronologie des neuen kenianischen Anti-Doping-Kampfs

Der Anti-Doping-Kampf in Kenia blickt auf Jahre der unzureichenden Aktivitäten, korrupter Strukturen und teilweise kuriosen Episoden zurück. Der Dopingfall Rita Jeptoo und der erhöhte Druck der IAAF ermöglichten langsam ein Umdenken. 2015 wurden drei in Kenia tätigen Agenturen von Athleten-Managern monatelang suspendiert, ohne nachhaltige Ergebnisse. Aber der italienische Trainer Claudio Berardelli und der italienische Athleten-Manager Federico Rosa stehen aktuell schon wieder vor Gericht und dürfen das Land nicht verlassen. Ein noch wichtigerer Schritt bedeuteten die massiven Proteste einer Athletenvereinigung, die zum Sturz mehrerer hochkarätiger Funktionäre im kenianischen Leichtathletik-Verband (AK) führten. Unter ihnen auch der ehemalige AK-Präsident Isaiah Kiplagat, dem – wie einigen seiner hochrangigen Kollegen – Korruption und Vertuschung nachgewiesen wurden. Sanktionen sind abgesehen von persönlichen Suspendierungen von Seiten der IAAF noch keine bekannt. Die neueste Episode: Michael Rotich, Leichtathletik-Delegationsleiter in Rio, wurde aus dem Olympischen Dorf in Rio abkommandiert, nachdem erwiesen ist, dass Rotich unter Entgegennahme von beträchtlichen Summen an Schutzgeldzahlungen Dopingtests den Athleten rechtzeitig ankündigte. Dies hatten Journalisten des deutschen TV-Senders ARD und der britischen Tageszeitung „Sunday Times“ aufgedeckt. Bei der Rückkehr klickten für ihn am Flughafen in Nairobi sofort die Handschellen. Diverse Medienberichte aus Kenia und diverse Aussagen von internationalen Athleten, die von Trainingslagern in Kenia berichteten, verschärften die Situation und bedrohten das Image Kenias. Der angedrohte Ausschluss von Olympia erzeugte massiven Druck, dem Kenia folgte.

Olympia-Ausschluss vom Tisch

Zögerlich führte das kenianische Parlament die von der WADA verlangte Anti-Doping-Gesetzgebung im Frühsommer 2016 ein. Die kenianischen Olympia-Starter wurden bei den Kenya Trials Anfang Juli in Eldoret systematisch von ausländischen Behörden getestet. Damit war der Olympia-Ausschluss endgültig abgewendet, das IOC bekräftigte in Rio, dass das kenianische Leichtathleten die wohl meist getesteten Sportler der Welt seien. Für die Nation Kenia wäre ein Ausschluss von den Olympischen Leichtathletik-Bewerben weit schlimmer als für andere Länder. Denn durch die großen Erfolge im Laufsport definiert sich das ostafrikanische Land. Sie bestimmen das Image Kenias in der restlichen Welt. Kurz vor den Olympischen Spielen strich die WADA Kenia auch von der „non compliant“-Liste, womit man demonstrierte, dass Kenia die internationalen Standards im Anti-Doping-Kampf erreicht. Kipchoge Keino, ein ehemaliger Olympiasieger und aktuell Vorsitzender des kenianischen Olympischen Komitees, zeigt sich im Vorfeld der Olympischen Spiele 2016 zufrieden mit den Fortschritten, die Kenia im Kampf gegen Doping gemacht hat.
Allerdings ist klar, dass diese Fortschritte nur eine Zwischenetappe in einem erforderlichen, konsequenten Anti-Doping-Kampf in Kenia sein müssen. Denn die mutmaßlichen Doping-Probleme in Kenia sind noch lange nicht gelöst. Dass die Leistungen der kenianischen Laufstars in Rio besonders kritisch beäugt werden, ist aufgrund der Geschehnisse in den letzten Jahren nicht unverständlich.
Olympische Spiele 2016 in Rio de Janeiro