Umfangreiche Reformvorschläge für die IAAF

Sebastian Coe beim IAAF-Council Meeting in Wien. © Getty Images for IAAF / Christian Hofer

Sebastian Coe beim IAAF-Council Meeting in Wien. © Getty Images for IAAF / Christian Hofer
Sebastian Coe beim IAAF-Council Meeting in Wien. © Getty Images for IAAF / Christian Hofer
In einem zweitägigen Meeting mit 60 Delegierten im Vorfeld der Europameisterschaften in Amsterdam hat der Leichtathletik-Weltverband IAAF gemeinsam mit der dafür zuständigen Arbeitsgruppe um der Vorsitzenden Maria Clarke Vorschläge für Reformen der IAAF vorgestellt. „Unsere Vorschläge zeigen, dass wir die Probleme unseres Sports ernsthaft angehen und eine vielfältige und moderne Organisation des Weltverbandes installieren möchten, die die globale Reichweite der Leichtathletik widerspiegelt“, erklärte IAAF-Präsident Sebastian Coe, der mit diesem Schritt eines seiner wichtigsten Wahlversprechen einlösen möchte. „Wir haben keine Angst, schwierige Entscheidungen zu treffen, denn das schulden wir den Athleten. Wir haben die letzten beiden Tage ehrlich und robust diskutiert“, fügte der Brite an. Maria Clarke, eine Sportanwältin aus Neuseeland, erzählt: „Wir haben uns die letzten zwölf Monate immer wieder getroffen und haben der IAAF nun eine Struktur der Führung verliehen, die modern ist und die die IAAF bereit macht, ihre Ziele zu erreichen. Aktuell sind es zwar nur Vorschläge, aber ich gehe davon aus, dass sie eins zu eins umgesetzt werden.“

15 Reformvorschläge

Die von der IAAF beauftragte Arbeitsgruppe konzentrierte sich auf 15 Vorschläge. Sollten diese zur Gänze umgesetzt werden, was Coe wohl befürwortet, würde das einer weitreichenden Reform des Leichtathletik-Weltverbandes bedeuten, die die IAAF bereits jetzt als „neue Ära“ ankündigt.
1. Der IAAF-Congress soll die höchste Kompetenz der Leichtathletik und der IAAF bleiben, das IAAF-Council und das Executive Board müssen bei der IAAF einen jährlichen Bericht abliefern.
2. Eine neue IAAF-Convention soll eingerichtet werden. Sie soll die stärkere Beteiligung an der Leichtathletik in Zukunft sichern.
3. Dem IAAF-Council soll die Rolle des „Überwachers“ des Sports zugesprochen werden. Er soll die Stimme der Athleten vertreten und eine bessere Gender-Balance in den höchsten Funktionärs-Positionen garantieren.
4. Dem Executive Board soll die Rolle des „Überwachers“ der IAAF zugesprochen werden und soll vor allen Dingen in wirtschaftlichen und geschäftlichen Dingen beraten.
5. Der IAAF-Präsident soll aufgrund der Kontrolle des Congress, des Councils und des Executive Boards an Macht verlieren, aber das Gesicht der Leichtathletik bleiben.
6. Die Anzahl an IAAF-Vize-Präsidenten soll auf zwei halbiert werden, wobei jeweils eine Frau und ein Mann vom Council gewählt werden muss.
7. Die Position des IAAF-Schatzmeisters soll aufgehoben werden. Seine Aufgaben sollen von professionellen Mitarbeitern und einem Finanzausschuss des Vorstands übernommen werden.
8. Ein IAAF-Präsident soll nur mehr drei Amtsperioden à vier Jahre an der Macht bleiben können. Dasselbe soll für Mitglieder des Councils und des Executive Boards gelten.
9. Die Art, Anzahl und Umfang der Kommissionen sollen angepasst werden. Als gewählte Organe fungierende Ausschüsse sollen abgesetzt und durch Kommissionen ersetzt werden.
10. Die Integrität und die Qualifikation aller Personen, die in IAAF-Organen arbeiten, soll regelmäßig überprüft werden.
11. Neue Verhaltensregeln des bestehenden Ethik-Codes soll vorgelegt werden.
12. Eine unabhängige Athletics Integrity Unit soll eingeführt werden. Sie soll sich um alle Doping-Angelegenheiten inklusive der Verantwortung für Tests, Ermittlungen und Sanktionen kümmern.
13. Ein unabhängiges Disziplinargericht soll eingeführt werden und sich um alle internen Verstöße kümmern.
14. Externe Prüfer sollen dem Congress und den Mitgliedsverbänden jährlich Berichte über das Finanzwesen, der Integrität und der Regierungsfunktionen vorlegen.
15. Neue Standards der Transparenz sollen für alle IAAF-Organe entwickelt werden.

Endgültiger Plan bis Ende des Jahres

Vor den Olympischen Spielen soll es ein weiteres Treffen geben, bei dem die Vorschläge erneut diskutiert werden und finalisiert werden sollen. Danach müssen die Vorschläge noch mit den Vertretern der Kontinentalverbände diskutiert werden, ehe es Ende des Jahres einen endgültigen Reformplan geben soll. Laut Maria Clarke können dann mehr als die Hälfte der Vorschläge bereits am 1. Jänner 2017 umgesetzt werden, die Veränderungen in den diversen IAAF-Organen und -Positionen sollen ab 2019 (wenn die aktuellen Amtsperioden enden) in die Realität umgesetzt werden. Durch die Neuaufstellung der IAAF-Organe soll sich der Einfluss der Kontinentalverbände auf den Weltverband erhöhen. Die Struktur soll deutlich transparenter werden und durch unabhängige und externe Institutionen zur Prüfung weniger anfällig für kriminelle Machenschaften, wie sie in der Vergangenheit nachweislich passiert sind.