Hahner-Twins im deutschen Olympia-Sextett

© SIP / Johannes Langer

Lisa Hahner schaffte beim Frankfurt Marathon den Sprung nach Rio. © SIP / Johannes Langer
Lisa Hahner schaffte beim Frankfurt Marathon den Sprung nach Rio. © SIP / Johannes Langer
Erstmals seit der Wiedervereinigung reist das deutsche Olympia-Team mit sechs Marathonläuferinnen und -läufer zu den Olympischen Spielen. Ausschlaggebend dafür war die erfolgreiche Initiative der größten deutschen Marathonläufe im vergangenen Herbst, der den Deutschen Leichtathletikverband DLV dazu veranlasste, das Olympia-Limit zu senken. Die Aktiven bedankten sich mit teils großartigen Leistungssprüngen, so dass der Deutsche Olympische Sport-Bund DOSB alle sechs Empfehlungen von Seiten des DLV für einen Olympia-Start akzeptierte. Neben den beiden Zwillingen Anna und Lisa Hahner ist die große Sensation des Hamburg Marathon, Anja Scherl im Damen-Team, das Trio der Herren bilden Arne Gabius, Philipp Pflieger und Hendrik Pfeiffer.

Verzögerte Einbürgerung

Die Nominierung der 30-jährigen Anja Scherl ist nach ihrem sensationellen Auftritt beim Hamburg Marathon und einer riesigen persönlichen Bestleistung von 2:27:50 Stunden unumstritten. Auch die Nominierung der deutschen Meisterin Lisa Hahner, die im Herbst in Frankfurt in einer Zeit von 2:28:39 Stunden gelaufen ist, war längst klar. Zittern musste nur Anna Hahner, die in ihrem besten Wettkampfjahr 2014 den Wien Marathon gewonnen hat und beim Berlin Marathon ihre persönliche Bestleistung von 2:26:44 Stunden gelaufen ist. Im Qualifikationszeitraum kam sie an diese Erfolge nicht heran, doch nun sprang ihr das Glück zur Seite. Die seit Jahren in Deutschland lebende Äthiopierin Fate Tola hatte alle Tests für eine angestrebte Einbürgerung bestanden, den deutschen Pass trotzdem nicht fristgerecht für eine Nominierung erhalten. Da deutsche Medien keine näheren Gründe dafür angaben und die Olympischen Spiele erst in mehr als zwei Monaten stattfinden, bleiben zumindest Fragezeichen im Raum. Leistungsmäßig wäre die Äthiopierin ein deutlicher Gewinn, von der Repräsentation her bietet sich das Antreten der beiden sehr beliebten Zwillingsschwestern an. „Rio rockt. Es macht so viel Spaß, in der Stadt zu laufen – und dann noch bei den Olympischen Spielen. Ich kann es kaum erwarten, dass dieser Traum wahr wird“, verlieh Anna Hahner ihrer Freude Ausdruck. Gemeinsam mit ihrer Schwester Lisa nahm sie im vergangenen Sommer am Marathon in Rio de Janeiro teil und hat damit einen Erfahrungsvorsprung.

Gabius will Top-Ten-Platz
Arne Gabius reist voller Zuversicht zu den Olympischen Spielen 2016. © SIP / Johannes Langer
Arne Gabius reist voller Zuversicht zu den Olympischen Spielen 2016. © SIP / Johannes Langer
Vier deutsche Herren haben im Qualifikationszeitraum das Olympia-Limit Deutschlands unterboten, die drei schnellsten wurden etatmäßig nominiert. Angeführt vom neuen deutschen Rekordhalter Arne Gabius, der nach seiner Glanzleistung in Frankfurt 2015 einen mäßigen Wettkampf-Frühling erlebte, ergänzen Philipp Pflieger, der die Qualifikation in Berlin schaffte, und Hendrik Pfeiffer, der sich trotz widriger Bedingungen beim Düsseldorf Marathon hervorragend in Szene setzte, das Herren-Team. „Ich bin wahnsinnig stolz und freue mich riesig, dass ich für die Olympiamannschaft nominiert worden bin. Es ist ein 20 Jahre gehegter Kindheitstraum“, jubelt Pflieger.

Aufschwung des deutschen Laufsports

Die Teilnahme von gleich sechs Marathonläufern aus Deutschland bei den Olympischen Spielen werten Experten als Aufschwung im deutschen Laufsport. Denn ein so großes Kontingent hat Deutschland seit der Wiedervereinigung nie bei Olympischen Spielen im Marathon vertreten. Bei den Damen nahmen zuletzt bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta drei Läuferinnen teil, als Katrin Dörre-Heinig als Vierte knapp Edelmetall verpasste.
Für die einzige deutsche Olympia-Medaille im Marathon nach 1990 sorgte Stephan Freigang 1992 in Barcelona, als wie 1996 und 2000 jeweils zwei deutsche Athleten am Start waren. Seither fand der Olympische Marathon der Herren stets ohne deutsche Beteiligung statt, dagegen stand bei den Damen immer mindestens eine Läuferin am Start. Während deutsche Marathonläuferinnen auf eine Olympiamedaille durch Katrin Dörre-Heinig 1988 in Seoul zurückblicken können, gewann Waldemar Cierpinski gleich zweimal Gold: 1976 und 1980.