Afrika-Debüt mit sieben Laufentscheidungen

5.000m-Weltmeisterin Almaz Ayana ist einer der größten Stars des ersten Diamond League Meetings auf dem afrikanischen Kontinenten. © Getty Images for IAAF

5.000m-Weltmeisterin Almaz Ayana ist einer der größten Stars des ersten Diamond League Meetings auf dem afrikanischen Kontinenten. © Getty Images for IAAF
5.000m-Weltmeisterin Almaz Ayana ist einer der größten Stars des ersten Diamond League Meetings auf dem afrikanischen Kontinenten. © Getty Images for IAAF
Am kommenden Sonntag schreibt die Vorzeige-Meetingserie der internationalen Leichtathletik Geschichte: Zum ersten Mal betritt die IAAF Diamond League afrikanischen Boden und ist ausgerechnet in jenem Land zu Gast, das in diesen Tagen erneut negative Doping-Schlagzeilen schreibt, die Intransparenz nicht verstecken. Sechs inhaftierte Athleten, keine genannten Namen – es ist die aktuellste Episode einer langen und kapitelreichen Geschichte über Doping in der marokkanischen Leichtathletik. Sportlich jedoch will sich Marokko – und ganz besonders seine Hauptstadt Rabat – von der besten Sorte zeigen und die internationale Leichtathletik zu diesem besonderen und geschichtsträchtigen Anlass im 52.000 Zuschauer fassenden Complexe Sportif Prince Moulay Abellah willkommen heißen. Hoffentlich mit mehr Zuschauern als bei den Afrikameisterschaften 2014 in Marrakech, die gänzlich abseits der Öffentlichkeit über die Bühne gegangen waren. Das Meeting in Rabat besteht seit 2008 und wurde bisher im Rahmen der IAAF World Challenge Meetingserie organisiert. Die Organisatoren nutzten die Absage von New York zu diesem sportlichen Aufstieg.

Fokus auf Laufsport

Diamond League in Afrika implitziert, dass der Laufbereich im Zentrum des örtlichen Interesses steht. Kein Wunder, dass der Veranstalter den vier von der Diamond League vorgeschriebenen Laufbewerben, die zum Diamond Race zählen, drei weitere Laufentscheidungen abseits der Gesamtwertung hinzufügten. Herausstechend sind die beiden 800m-Läufe, bei denen es jeweils um wichtige Punkte im Kampf um den Diamanten geht.

azsportsimages / Angelos Zymaras
Caster Semenya war in Doha unangefochten. © azsportsimages / Angelos Zymaras
Semenya gegen den Rest der Welt

Aufgrund der neuesten Entwicklungen in der Causa Caster Semenya scheint die Südafrikanerin unangefochten an der Weltspitze. Besonders in partiellen Abschnitten deklassierte die ehemalige Weltmeisterin die Konkurrenz beim Diamond League Auftakt in Doha, weshalb ihr die unumschränkte Favoritenrolle für Rabat zufällt. Dieses Rennen wird ein weiteres Indiz, wie es um die Kräfteverhältnisse in dieser Disziplin steht. Da das Rennen sehr stark besetzt ist – die zweifache Siegerin des Diamond Race, Eunice Sum aus Kenia, die Hallen-Weltmeisterin Francine Niyonsaba aus Burundi und die amtierende Weltmeisterin Marina Arzamasova aus Weißrussland fordern Semenya – sind schnelle Laufzeiten sehr wahrscheinlich. Das Resultat in Rabat wird kräftige Aussage darüber haben, ob Semenya in dieser Saison unschlagbar ist oder nicht – zahlreiche Experten befürchten genau dies angesichts der Aufhebung der internationalen Regelung, welche Semenya bis Ende 2015 eine Hormontherapie auferlegt hatte. Neben gleich sechs Europäerinnen nehmen auch zwei hoffnungsvolle Marokkanerinnen, von denen Malika Akkaoui durchaus eine Kandidatin für eine vordere Platzierung ist, am Rennen teil.

5.000m Lauf im Zeichen Ayanas

Im Vorjahr lief Weltmeisterin Almaz Ayana in Rabat einen verdammt schnellen 3.000er, beim Diamond League Auftakt in Doha dominierte sie ebenso in einer sehr starken Zeit über 3.000m. In Rabat steht erstmals in dieser Saison ein Lauf über 5.000m auf dem Programm, an der Ausgangsposition ändert das nichts: Alles andere als ein klarer Sieg durch Ayana wäre eine Sensation. Dahinter bewerben sich die äthiopische Vize-Weltmeisterin Senbere Teferi und die Kenianerinnen Mercy Cherono und Viola Kibiwott für die weiteren Plätze. Angesichts des großen Leistungsunterschieds im Starterfeld, in dem mit Europameisterin Meraf Bahta aus Schweden, Renata Plis aus Polen und Hindernis-Spezialistin Svetlana Kudzelich aus Weißrussland auch drei Europäerinnen stehen, ist ein deutliches Leistungsgefälle bereits zu Rennmitte zu erwarten.
Im 3.000m-Hindernislauf geht es nicht um Punkte für das Diamond Race, dementsprechend überlässt die Weltklasse einigen jungen, aber talentierten Läuferinnen das Feld. Darunter haben die Kenianerin Gladys Kipkemoi und die Äthiopierin Etenesh Diro bereits beeindruckende Bestleistungen aufzuweisen. Maeva Danois aus Frankreich und Genevieve Lacaze aus Australien ergänzen das ansonsten afrikanisch geprägte Starterfeld.

Birech will Revanche – Comeback von Mekhissi
Erfahrungsvorsprung für Jairus Birech: Er gewann im letzten Jahr das Hindernisrennen in Rabat, als das Meeting noch der zweithöchsten internationalen Meetingserie angehörte. © Veranstalter Meeting Rabat
Erfahrungsvorsprung für Jairus Birech: Er gewann im letzten Jahr das Hindernisrennen in Rabat, als das Meeting noch der zweithöchsten internationalen Meetingserie angehörte. © Veranstalter Meeting Rabat
Eigentlich hatte Jairus Birech nach seinem enttäuschenden vierten Platz bei der WM in Peking angekündigt, sich dieses Mal anders auf das Großereignis vorzubereiten als im vergangenen Jahr. Sprich, weniger Wettkämpfe. Dennoch steht der stärkste Hindernisläufer der letzten Jahre nach Doha auch in Rabat am Start, die nächste Station in Rom will der 23-Jährige sowieso nicht verpassen. Auf diese Weise bietet sich ihm die Möglichkeit, sich bei Conseslus Kipruto zu revanchieren. Denn der Vize-Weltmeister von 2013 hat überraschend den Auftakt in Doha vor Birech gewonnen. Nachdem sich Ezekiel Kemboi für ein Rennen in Peking entschieden hatte, fehlt er erwartungsgemäß in Rabat.
Spannung verspricht auch das Comeback des Franzosen Mahiedine Mekhissi-Benabbad, der aus Verletzungsgründen die komplette Wettkampfsaison 2015 verpasst hatte. In den letzten Jahren war der Sohn algerischer Einwanderer der einzige Läufer, der auch bei Großereignissen die totale Überlegenheit der Kenianer gefährden konnte. Besonders schön: Neben dem umstrittenen Mekhissi-Benabbad, der EM-Gold in Zürich durch Disqualifikation verpasste, sind mit Landsmann Yoann Kowal, Abdelaziz Merzougui aus Spanien, Jamel Chatbi aus Italien und Jeroen D’Hoedt aus Belgien vier weitere Europäer in der höchsten Leichtathletik-Serie der Welt am Start – ein gutes Zeichen im Vorfeld der Europameisterschaften.

800er zum mit der Zunge zu schnalzen

Obwohl der Olympiasieger und Weltmeister David Rudisha in Rabat durch Abwesenheit glänzt, könnte der 800m-Lauf der Herren kaum besser besetzt sein. Denn mit Nijel Amos aus Botswana und WM-Medaillengewinner Amel Tuka aus Bosnien sind die zwei schnellsten 800m-Läufer der letzten Saison am Start. Beide dürften hochmotiviert sein: Amos will das WM-Debakel in der Olympia-Saison glattbügeln, bei Tuka wird es interessant zu beobachten sein, wie er die überragende letzte Saison, in die er als „No Name“ gestartet war, bestätigen will. Dazu kommt, dass mit Vize-Weltmeister Adam Kszczot ein weiterer bärenstarker Läufer seinen Saisoneinstieg feiert. Die Hallen-Saison bewältigte der Europameister ohne Niederlage, verzichtete aber auf ein Antreten bei den Hallen-Weltmeisterschaften. Sein Landsmann Marcin Lewandowski, der Franzose Pierre Ambroise Bosse, der algerische 1.500m-Olympiasieger Taoufik Makhloufi und die beiden Lokalmatadoren Amine El Manaoui und Abdelatif Elguesse ergänzen ein großartiges Starterfeld, von dem ein hochinteressantes Rennen zu erwarten ist.

Im vergangenen Jahr jubelte Abdelaati Iguider in Rabat. © Veranstalter Meeting Rabat
Im vergangenen Jahr jubelte Abdelaati Iguider in Rabat. © Veranstalter Meeting Rabat
Iguider hofft auf Heimsieg

Bei den beiden nicht zum Diamond Race zählenden Laufentscheidungen der Herren dürfte das Publikum in Rabat besonders auf den 3.000m-Lauf achten. Denn hier kommt mit Abdelaati Iguider, der bei den Hallen-Weltmeisterschaften nur knapp eine Medaille verpasst hat, der Favorit aus Marokko. Er wird herausgefordert von den Kenianern John Kipkoech und Emmanuel Kipsang. Mit Vize-Europameister Hayle Ibrahimov aus Aserbaidschan und Adel Mechaal aus dem (fast) benachbarten Spanien geben sich auch zwei Europäer die Ehre.
Über die halbe Distanz gibt es in sieben Laufentscheidungen den einzigen deutschsprachigen Beitrag: Homiyu Tesfaye kehrt nach einem durch Verletzungen nicht einfachen Winter auf die Laufbahn zurück. Die Diamond League bietet dafür eine optimale Standortbestimmung. Der größte Name im riesigen Starterfeld, das mit den Franzosen Florian Carvalho und Morhad Amdouni sowie Tarik Moukrime aus Belgien drei weitere Europäer umfasst, ist Silas Kiplagat aus Kenia, der damit erklärter Favorit ist. Im Kampf um den Sieg eine Rolle spielen möchten auch der Äthiopier Dawit Wolde und der starke Australier Ryan Gregson.
Diamond League Rabat