Medienberichte skizzieren Machtlosigkeit der WADA

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Ein Bericht der investigativen Nachrichtensendung “60 minutes“ des US-amerikanischen TV-Senders CBS hat nun Einblicke in die begrenzte Macht der Welt Anti Doping Agentur WADA im Kampf gegen flächendeckendes Doping gegeben. Der russische Whistleblower Vitaly Stepanov erzählte in einem Interview, er habe 200 E-Mails und 50 Briefe an die WADA geschickt, in denen er über das systematische Doping im russischen Sport berichtete. Als Antwort bekam er aus dem WADA-Sitz im Montreal lediglich ein Statement, dass die WADA nicht die Macht habe, gegen flächendeckenden Betrug vorzugehen und innerhalb einer Nation zu ermitteln. Als Stepanov, gemeinsam mit seiner Frau Yuliya Stepanova, sich an den deutschen TV-Sender ARD und dessen Journalisten Hajo Seppelt wendete, kam das Whistleblowing in Gang. Was folgte waren von der WADA geleitete Ermittlungen in Russland und die immer noch bestehende Suspendierung der russischen Leichtathletik.

Fehlende Macht

„Wir hatten vor 2015 nicht die Macht, die Informationen eines Whistleblowers in einer Richtung zu drehen, dass es zu Ermittlungen gekommen wäre, die notwendig gewesen wären. Zudem fürchteten wir die Gefahr, der die Stepanovs ausgesetzt worden wären“, erklärt WADA-Sprecher Ben Nichols gegenüber der US-amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press. Erst als die Öffentlichkeit informiert war und der internationale Druck erheblich gestiegen war, wurde ein massives Eingreifen unter der Leitung der WADA möglich. Aktuell kursieren hartnäckige Gerüchte, dass Russlands Sportler bei den Olympischen Spielen in Sochi systematisch betrogen hätten. Die WADA wird sich im Laufe dieser Woche in Montreal in einem Meeting beraten.

Geld von Sponsoren?

Die beschränkte Macht der Welt Anti Doping Agentur ist vielen Doping-Bekämpfern weltweit ein Dorn im Auge. Die WADA selbst, die über ein Budget von rund 30 Millionen US-Dollar verfügt, prangert stets die fehlenden finanziellen Mittel als Hindernis an. WADA-Präsident Craig Reedie hat nun öffentlich ein Modell des Sponsorings vorgeschlagen. So schlägt er laut Berichten der britischen Tageszeitung „The Guardian“ vor, Unternehmen, die Athleten finanziell unterstützen, sollen eine Klausel in den Sponsorverträgen einsetzen, die im Falle eines positiven Dopingfalls des gesponsorten Athletens die entsprechende Summe retourniert und automatisch an die WADA weiterleitet. Damit könnte man die mächtigen Geldgeber aus der Wirtschaft besser in den Anti-Doping-Kampf integrieren.