Die Rückkehr der biologischen Ungleichheit auf das internationale Terrain

azsportsimages / Angelos Zymaras

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Als der Oberste Internationale Sportgerichtshof (CAS) im vergangenen Jahr die Hormontherapie gegen Caster Semenya für nicht rechtsgültig erklärte und damit diese vom Leichtathletik-Weltverband zur Chancengleichheit intendierte Maßregelung aufhob, wussten Experten schlagartig, was dieses Urteil bedeuten wird. Manche unkten sogar, die Olympische Goldmedaille von Rio de Janeiro könnte man der Südafrikanerin sofort umhängen und in Brasilien ein faires Rennen um die Silbermedaille umhängen. Die ersten Ergebnisse der noch jungen Saison bestätigen diese Schwarzmalerei im gesamten Ausmaß. Semenya dominiert die Szene und die Konkurrenz scheint ob des biologisch nachgewiesenen Vorteils der Südafrikanerin im Moment chancenlos. Damit ist in der Leichtathletik-Welt eine leidige Diskussion gegenwärtig, die die Sportart sich in den sicheren Fängen der Vergangenheit wünschte. Und die Verfehlungen der Offiziellen, eine faire und haltbare Regelung zu installieren, treffen die Sportart hart. Denn aktuell hat Semenya, ein unschuldiger Spielball in einer unbefriedigten Diskussion, die weit über den Sport hinausgeht, einen erlaubten Vorteil im sportlichen Wettbewerb mit ihren Mitstreiterinnen und die essentielle sportliche Fairness und Chancengleichheit ist nicht gegeben.

Demonstration der Stärke

Der aufgrund dieser Vorgeschichte mit Spannung erwartete 800m-Lauf der Damen im Rahmen des Diamond League Auftakts im spärlich besetzten Hamid Bin Suhaim Stadium von Doha ist schnell erzählt. Caster Semenya hielt sich in den ersten eineinhalb Runden im sicheren Mittelfeld auf und kontrollierte das Rennen, das bei Halbzeit von der ukrainischen Pacemakerin Anastasiya Lebid in einer Zeit von 58,88 Minuten angeführt wurde. Auf der Gegengerade riskierte die Äthiopierin Habitam Alemu alles und forcierte das Tempo. Als erste Anzeichen eines Gedankens an eine große Überraschung auftauchten, überholte die 25-jährige Südafrikanerin außen in der letzten Kurve einige Konkurrentinnen, setzte sich eingangs der Zielgerade spielerisch neben Alemu und sprintete im Finale davon, als ob sie ihre Überlegenheit noch einmal symbolisch zementieren müsste. 1:58,26 Minuten bedeuteten eine Verbesserung ihrer eigenen Weltjahresbestleistung. „Ich habe im Training nicht viel verändert, aber ich fühle mich heuer einfach sehr gut“, sagte Semenya verlegen. Die Absurdität des Schlusssprints gipfelt in der glaubhaften Meinung einiger Experten, die die letzten 100 Meter Semenyas in diesem Rennen als die schnellsten in einem 800m-Lauf der Damen in der Geschichte des Laufsports halten (welches in einer Zeit von unter zwei Minuten endete, Anm.). Die erst 18 Jahre alte Alemu, heuer bereits im Hallen-WM-Finale, krönte eine überragende Leistung mit einer persönlichen Bestleistung von 1:59,14 Minuten. Und Eunice Sum, die seit Jahren die Diamond League nach Belieben dominiert? Die Kenianerin hatte nicht den Hauch einer Chance und rettete Rang drei in 1:59,74 Minuten – auch nicht unbedingt die schlechteste Zeit zu Saisonbeginn. Das schnelle Rennen komplettierte die Marokkanerin Malika Akkaoui, die ebenfalls unter zwei Minuten blieb.

Ayana dominiert die 3.000m

Zum krönenden Abschluss eines Meetings, das aus sportlicher Sicht mit einem Dutzend Weltjahresbestleistungen überzeugen konnte, kam noch einmal richtig Stimmung auf. Mehr, als der für ein Diamond League Meeting dürftige Zuschauerzuspruch dies vermuten hätte lassen. Aber die Leistung von Almaz Ayana im 3.000m-Lauf der Damen bot unzählige Gründe, aufzustehen und laut zu applaudieren. Als die letzte Pacemakerin nach 1.700m ausstieg, übernahm die Äthiopierin die Initiative, zog davon und alleine ihre Kreise. Als sie in einer Weltklassezeit von 8:23,11 Minuten die Ziellinie überquerte, hatte sie nicht nur einen großen Sieg gefeiert, sondern ihre persönliche Bestleistung aus dem vergangenen Jahr um weniger als eine Sekunde verpasst. „Das war ein sehr gutes Rennen für mich“, befand auch Ayana selbst. Irgendwie hatte es den Anschein, als würde die Konkurrenz von Ayana nur Nebenrollen einnehmen. Doch auch sie zeigte großartige Leistungen, allen voran Mercy Cherono und die Äthiopierin Gelete Burka, die beide den Sprung auf das Podest schaffte und unter 8:30 Minuten blieben. Die 10.000m-Weltmeisterin Vivian Cheruiyot lief auf der Unterdistanz ein gutes Rennen und wurde in einer Zeit von 8:31,86 Minuten knapp vor ihrer Landsfrau Janet Kisa Vierte – in der schnellsten 3.000m-Zeit seit sieben Jahren.

Kenianische Triumphe bei den Herren
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Die Ankündigung von Asbel Kiprop, in Doha mit einer Weltklassezeit in die Saison starten zu wollen, ware keine leere Versprechung. Der mehrfache Weltmeister ließ sich das Rennen von den kenianischen Pacemakern Jackson Kivuva und Andrew Rotich nach seinen Bedürfnissen anlaufen. Eineinhalb Runden vor Schluss war Kiprop der Letzte aus diesem Trio an der Spitze und hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einen beruhigenden Vorsprung auf den Rest des Feldes. Wäre ihm nicht im Finale ein bisschen der Sprit ausgegangen, hätte der 26-Jährige eine noch schnellere Zeit auf die Bahn gezaubert als es die 3:32,15 Minuten ohnehin schon sind. „Ich habe das Rennen sehr genossen, es lief genau so ab, wie ich es geplant hatte“, zeigte sich der Meister zufrieden. Vize-Weltmeister Elijah Manangoi besiegte im Kampf um Rang zwei Silas Kiplagat, Bethwell Birgen komplettierte den Vierfachsieg für Kenia. Die schnellsten Acht blieben unter der bisherigen Weltjahresbestleistung – auch wenn noch früh in der Saison, ein Qualitätssiegel für dieses Rennen.

Dass auch das 3.000m-Hindernisrennen der Herren mit einem kenianischen Erfolg enden würde, war nun wirklich keine Überraschung. Die Sensation war aber die Art und Weise. Denn bereits frühzeitig konnte sich Conseslus Kipruto vom Rest des Feldes absetzen und feierte in einer Zeit von 8:05,13 Minuten einen deutlichen Sieg. Jairus Birech, jener Mann, der die Diamond League in den letzten beiden Jahren nach Belieben dominiert hatte, musste sich mit dem zweiten Platz vor Abraham Kibiwott zufrieden geben. Ein Debakel setzte es für den vierfachen Weltmeister Ezekiel Kemboi, der als Zwölfter in einer Zeit von 8:31,18 Minuten ins Ziel kam. Sorgen muss man sich über den Routinier allerdings noch keine machen, denn auch im vergangenen Jahr legte er den ein oder anderen lustlosen und von der Leistung her desaströsen Auftritt hin und wurde dennoch Weltmeister in Peking, als es wirklich drauf ankam.
Diamond League Meeting in Doha

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