Meldonium: WADA beschließt Teilamnestie

© SIP / photocase

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Die Welt Anti Doping Agentur WADA hat überraschend eine Teilamnestie für Dopingfälle beschlossen, die auf die Substanz Meldonium zurückgehen und vor dem 1. März 2016 – also exakt zwei Monate nach der Einführung des Verbots – ans Tageslicht gekommen sind. Seit Jahresbeginn hat die WADA weltweit bereits 172 Sportler aus verschiedenen Sportarten der Verwundung dieser nun unerlaubten Substanz überführt, vorwiegend kommen die Sportler aus Osteuropa. Mit dieser Entscheidung gab die WADA nun Druck von verschiedenen Seiten nach, nachdem Unklarheiten anscheinend nicht ausgeräumt werden konnten.

Wie lange ist Meldonium nachweisbar?

Einige Athleten erklärten, sie hätten Meldonium im Herbst 2015 eingenommen, als es noch erlaubt war, und danach nicht mehr. Auch der lettische Hersteller des Medikaments Mildronat, Grindeks äußerte sich, dass Meldonium noch Monate nach der Einnahme im Körper nachweisbar sei. Der Lette bemüht sich seit Jahresbeginn, Nachweise zu erzielen, um die Substanz wieder von der Anti-Doping-Liste zu entfernen – bisher ohne Erfolg. Die WADA entschied sich nun insofern überraschend für diese Teilamnestie, weil es laut eigenen Aussagen im vergangenen Jahr weitreichende wissenschaftliche Untersuchungen gegeben habe, bevor Meldonium überhaupt auf die WADA-Liste der verbotenen Substanzen gesetzt wurde. „Es ist keine Amnesie für Sportler oder Ähnliches“, beschwichtigte WADA-Präsident Craig Reedie gegenüber der Nachrichtenagentur AP. „Es ist vielmehr der Versuch, die vielen Fragen zu klären. Das Problem ist, dass unklar ist, wie lange das Präparat im menschlichen System bleibt.“ Die Teilamnesie soll nur Athleten betreffen, bei denen eine geringe Menge von Meldonium nachgewiesen werden konnte.

Freude und Unverständnis

In Russland herrscht Freude über diese Entscheidung der WADA. Dagegen können Anti-Doping-Experten den Teil-Rückzieher der WADA nicht verstehen. „Diese Konzentration ist völlig willkürlich und eine späte Erkenntnis, dass man hier wieder einmal gezeigt hat, dass man von Pharmakologie wenig versteht. Es gab schon seit einiger Zeit wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass die Substanz nicht lange im Körper bleibt“, kritisiert der deutsche Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel die Entscheidung der WADA gegenüber dem ORF. Der bekannteste Dopingfall aus dem Laufsport, der auf Meldonium zurückgeht, ist jener der äthiopischen Schwedin Abeba Aregawi. Weltweit für die meiste Aufmerksamkeit hat der positive Dopingfall von Tennisstar Maria Sharapova gesorgt.