Vienna City Marathon mit konservativem Rennplan

© SIP / Johannes Langer

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Jahrelang hat Österreichs größte Aktivsportveranstaltung sich nach Verbesserungen des Streckenrekords der Herren gesehnt. Seit Getu Felekes Spitzenleistung vor zwei Jahren ist diese prestigeträchtige Marke auf der Bühne der wichtigsten Marathons der Welt in Weltklasse-Regionen aufgestiegen. Für heuer gibt es ein Umdenken in Wien. Keine Superstars, aber ein qualitativ gutes und hungriges Feld, das ein spannendes Rennen erhoffen lässt. Und offen für Überraschungen nach oben bleibt.

Matebo: Weltklasse vor einigen Jahren

Ein Teilnehmer hat einen großen Namen, Levy Matebo. 2011 lief er beim Frankfurt Marathon eine fantastische Zeit von 2:05:16 Stunden – damals eine absolute Weltklasseleistung. An den Erfolgen und Leistungen von damals hängt eine große Erwartungshaltung, die der mit 26 Jahren nach wie vor recht junge Läufer in den vergangenen Jahren nicht erfüllen konnte. Chronische Probleme mit dem Magen, sowohl im Training als auch bei Rennen, und eine Verletzung am Knie halfen dabei auch nicht. Aber für den Vienna City Marathon 2016 fühlt sich der Kenianer bereit: „Ich habe gut trainiert und hoffe, an die Leistungen von 2011 und 2012 anzuknüpfen.“ Neben seinem zweiten Platz beim Frankfurt Marathon lief er ebenfalls in Boston 2012 und in Florenz 2014 auf Rang zwei und gewann in Brüssel 2010 sowie in Barcelona 2011. „Ich möchte am Sonntag gewinnen und eine Zeit von 2:06 Stunden“, hat Matebo konkrete Vorstellungen an seinen Zieleinlauf vor dem Burgtheater.

Kenianer in Favoritenrolle

Zweimal in Folge triumphierten die Äthiopier beim VCM, heuer wollen die Kenianer diesen prestigeträchtigen Erfolg wieder zurückholen. Mit dieser Zielsetzung ist Levy Matebo nicht alleine, eine Reihe von unerfahrenen Marathonläufern voller Tatendrang möchte am Sonntag einen weiteren wichtigen Schritt in ihrer Karriere setzen. Robert Chemosin geht in seinen dritten Marathon und hat beim Debüt in Warschau 2015 eine Zeit von 2:08:05 Stunden erreicht. Bei strömendem Regen, vielleicht ein gutes Omen für kommenden Sonntag, dessen Wetterprognosen bescheiden ausfallen. Chemosin trainiert in seiner Heimat mit Matebo und fühlt sich bestens vorbereitet. Seine Halbmarathon-Bestleistung von 59:19 Minuten, erzielt vor drei Jahren in Ostia, wo er 2015 in einer weiteren starken Zeit gewann, ist ein beeindruckender Nachweis seiner theoretischen Leistungsfähigkeit.
Suleiman Simotwo hat drei Marathons bestritten, einen davon im letzten Jahr in Wien. „Ich bin lange Zeit sehr gut in der Verfolgergruppe mitgelaufen, danach bekam ich Magenprobleme und habe viel Zeit verloren“, erzählt der 27-Jährige. Am Ende stand ein fünfter Platz zu Buche, ebenso wie im Herbst in Frankfurt. „Ich hoffe, ich kann meine Bestleistung verbessern“, freut er sich auf die Vorbereitung. Mit Silas Limo steht noch ein weiterer Kenianer an der Startlinie, der eine Bestleistung unter 2:10 Stunden stehen hat.

Debütant eines „Pacemaker-Spezialisten“

Athletenkoordinator Mark Milde bezeichnet den Werdegang von David Kogei als beispielhaft. Der 31-jährige Polizist, der erst seit vier Jahren ernsthaften Leistungssport betreibt, agierte im vergangenen Jahr als Pacemaker und sammelte wichtige Erfahrungen. „Als Tempomacher kann man sehr viel lernen und das steigert auch die Motivation“, erzählt er. Im Herbst begleitete er Eliud Kipchoge mit dessen Vorgaben gut 30 Kilometer lang fast auf Weltrekordtempo und war der letzte Begleiter des späteren Siegers. „Ich bin körperlich wie psychologisch gut vorbereitet“, freut sich der Kenianer auf sein Debüt, für das er sich eher zurückhaltende Ziele setzt.

Verfolgergruppe für Europäer

Drei weitere Läufer haben eine Bestleistung von unter 2:10 Stunden als Empfehlung aufzuweisen: Weldu Negash aus Eritrea, Shengo Kebede aus Äthiopien und der erfahrene Franzose Abdelatif Meftah. Hinter der Spitzengruppe, die einen Schnitt von 3:01 Minuten pro Kilometer anstrebt – also eine Halbmarathon-Durchgangszeit von 1:03:30 Stunden – startet noch eine zweite Gruppe, die von Tempomachern begleitet wird. Sie will den Halbmarathon in einer Zeit von 65:30 Minuten passieren. Hier wollen auch einige Europäer mitlaufen, die eine Zeit von 2:11 Stunden für das Erbringung des Olympia-Limits, welches von Land zu Land variiert, anstreben. Die dritte mit Tempomachern besetzte Gruppe soll Valentin Pfeil zu dessen Olympia-Teilnahme lancieren. Eine Zeit von 2:14 Stunden ist das große Ziel für den oberösterreichischen Debütanten.
Vienna City Marathon