Hallen-WM 2016: US-Dominanz soweit das Auge reicht

© Getty Images for IAAF / Ian Walton

Mit den Hallen-Weltmeisterschaften von Portland ist der erste große Höhepunkt der vollgeladenen Leichtathletik-Saison 2016 Geschichte. In Erinnerung bleiben eine gute Organisation mit innovativen Ideen, eine noch nie da gewesene Dominanz der US-amerikanischen Leichtathletik und eine stimmungsvolle Arena. „Innovation passiert nicht durch Zufall“, lobte Max Siegel, Vorsitzender des US-amerikanischen Leichtathletikverbandes USATF das Organisationskomitee rund um Vin Lananna. Portland hat die Messlatte für künftige Hallen-Weltmeisterschaften hochgelegt.

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Positives Fazit einer „großen Show“

Eine positive Bilanz zog nach seinem ersten internationalen Großereignis als IAAF-Präsident auch Sebastian Coe. „Wir müssen immer, immer wieder daran erinnern: Unser Produkt ist die Leichtathletik, aber unser Geschäft ist es, die Leute zu unterhalten“, so der Brite. Und das sei mit 40.000 Zuschauern an den vier Wettkampftagen im Oregon Cention Center sehr gelungen. Die teilweise überschwängliche Stimmung in der Arena war zwar zu einem bestimmten Teil natürlich auch den riesigen Erfolgen des US-Teams geschuldet, dennoch fühlten sich alle Athleten in der stimmungsvollen Arena wohl. „Hochklassige Unterhaltung, auf innovative Art und Weise mit Licht- und Soundeffects präsentiert, eine tolle Vorstellung der Athleten in der Halle und stimmungsvolle Medaillenzeremonien im Stadtzentrum. Wir haben viele tolle Erlebnisse konsumiert und großartige sportliche Leistungen gesehen“, war Coe volles des Lobes über die Gastgeber.

US-Triumph auf allen Ebenen

26 Entscheidungen – je 13 bei Damen und Herren – standen an den vier Tagen in Portland auf dem Programm. Die USA holte 13 Goldmedaillen und damit genau so viele wie alle anderen Nationen zusammen. Die Dominanz der Hausherren ist einzigartig, denn es gesellten sich noch zehn weitere Medaillen dazu. Die US-Amerikaner überzeugten nicht nur wie gewohnt in Sprint- und Staffelbewerben, sondern holten reihenweise auch Medaillen in den Laufbewerben – zwar irgendwie eine Neuigkeit, andererseits aber auch eine abrupte Fortsetzung eines sich seit Jahren andeutenden Tendenz. Dass eine Nation eine Veranstaltung allerdings auf diese Art und Weise dominiert, ist außergewöhnlich und kann nicht nur darauf zurückgeführt werden, dass der Gastgeber im Gegensatz zu zahlreichen anderen großen Leichtathletik-Nationen mit vollzähliger Mannschaft antrat. Aus zahlreichen großen Leichtathletik-Nationen bevorzugten es viele Stars, nicht an den Hallen-Weltmeisterschaften teilzunehmen, was einerseits für den Organisator und die Zuschauer vor Ort sowie am Fernsehen schade ist, andererseits die Spielwiese für das US-Team öffnete.

Äthiopien gewinnt das Prestigeduell gegen Kenia

Der erfolgreiche Auftritt der US-Amerikaner im Laufbereich war einer der herausragenden Aspekte dieser Titelkämpfe. Die Goldmedaillen von Boris Berian über 800 Meter und Matthew Centrowitz über 1.500m, die Silbermedaillen von Ajee Wilson über 800m und Ryan Hill über 3.000m sowie die Bronzemedaillen von Erik Sowinski über 800m und Shannon Rowbury über 3.000m ließen die USA im Laufbereich sogar noch eine Medaille mehr gewinnen als Äthiopien. Im Gegensatz zu den Kenianern schickte Äthiopien die erste Garde nach Portland und wurde mit den Goldmedaillen von Dominatorin Genzebe Dibaba und dem jungen Juwel Yomif Kejelcha in den 3.000m-Läufen belohnt. Generell schoben sich in Portland viele jungen Athleten ins Rampenlicht, das gilt auch – Dibaba und die erfahrene Meseret Defar ausgeklammert – für das äthiopische Team, das sich mit fünf Medaillen über einen tollen zweiten Platz im Medaillenspiegel freuen konnte. Dagegen erreichte Kenia, Sieger des Medaillenspiegels bei der Freiluft-WM in Peking, mit zwei Bronzemedaillen lediglich Rang 25.
Die europäischen Verbände durften sich über 29 Medaillen freuen, darunter vier in Gold. „Ich möchte den europäischen Teams für ihre Leistungen gratulieren. Insgesamt 14 europäische Verbände sind in den Medaillenrängen gelandet. So unmittelbar vor den Europameisterschaften in Amsterdam zeigt das, wie stark die europäische Leichtathletik ist“, lobte Svein Arne Hansen, Präsident von European Athletics.

Russland in der Zuschauerrolle

Das Thema Doping hing natürlich auch über das Oregon Convention Center wie ein Damokles-Schwert. Dafür verantwortlich war natürlich auch die Abwesenheit der russischen Nationalmannschaft, die nach wie vor von der internationalen Leichtathletik suspendiert ist. Auch andere Nationen haben aktuelle Doping-Sorgen oder fürchten sich vor Anti-Doping-Offensiven von Seiten der IAAF oder der WADA. Während Äthiopien als Ausnahme erfolgreich abschnitt, formulierten die Leistungen anderer unter Doping-Anschuldigungen leidende Nationen eine klare Botschaft. Kenias Stars mieden die Reise in die USA, die zweite Garnitur zeigte sich fern der Topform. Marokko blieb gänzlich ohne Medaille genauso wie Weißrussland, die Ukraine holte immerhin drei Podestplatzierungen.

Rot-weiß-rote Solistin

In der österreichischen Leichtathletik spielten die Hallen-Weltmeisterschaften von Portland nur eine untergeordnete Rolle. Einzig Hürdensprinterin Stephanie Bendrat (Union Salzburg LA) trat an und zeigte bei ihrem ersten internationalen Auftritt für Österreich eine Leistung im Rahmen der Möglichkeiten und der Erwartungen. „Ich bin zufrieden mit meiner Leistung und sehr froh, hier dabei gewesen zu sein. Diese Erfahrung bringt mich sicher weiter, denn es ist eine total andere Welt, als ich es sonst gewöhnt bin“, so die gebürtige Deutsche. Sämtliche andere österreichischen Leichtathleten, die entweder eine Einladung erhielten oder sportlich qualifiziert waren, verzichteten auf eine Teilnahme zu Gunsten der Vorbereitung auf die Sommer-Saison. Auch andere Nationen, mit denen der Österreichische Leichtathletikverband auf Augenhöhe ist oder sein möchte, traten mit kleinen Teams in Portland an. Zum Beispiel die Schweiz, die eine Medaille nur haarscharf verpasste. Das junge deutsche Team kehrt mit einem riesigen Erfahrungsschatz, zwei Silbermedaillen und einer Bronzemedaille zurück.
Hallen-Weltmeisterschaften 2016 in Portland