Laufentscheidungen im Zeichen des Duells der äthiopischen Superstars

© Getty Images for IAAF

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Sechs Laufentscheidungen stehen bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Portland am kommenden Wochenende auf dem Programm. Auch wenn der ein oder andere Star mit Abwesenheit glänzt, versprechen die Bewerbe Spannung. Den Höhepunkt der Entscheidungen gibt es am Sonntagmittag Ortszeit mit dem „Duell der Generationen“ zwischen den Äthiopierinnen Genzebe Dibaba und Meseret Defar im 3.000m-Lauf. RunAustria wirft einen Blick auf die sechs Laufentscheidungen der Hallen-Weltmeisterschaften 2016 im Oregon Convention Center von Portland:

800m-Lauf der Herren

Finallauf: Samstag, 19. März um 18:35 Uhr Ortszeit (Sonntag, 20. März um 02:35 Uhr MEZ)
Vorläufe: Freitag, 18. März um 13:55 Uhr Ortszeit (21:55 Uhr MEZ)
Titelverteidiger: Mohamed Aman (Äthiopien)
Amtierender Freiluft-Weltmeister: David Rudisha (Kenia)
Das 800m-Finale der Hallen-Weltmeisterschaften 2012 ging in die Geschichte ein: Im Alter von nur 18 Jahren und 61 Tagen krönte sich Mohamed Aman zum jüngsten Champion in der Geschichte dieses Events. Zwei Jahre später triumphierte er erneut, dahinter liefen die Polen Adam Kszczot und Marcin Lewandowski unter dem Getose der polnischen Fans auf das Podest – auch wenn Letzteres schlussendlich disqualifiziert wurde.
Adam Kszczot, auch outdoor Vize-Weltmeister, war der große Star im Winter und dominierte alle seine 800m-Läufe, an denen er teilgenommen hatte. Und das waren die wichtigsten in dieser Saison. Auf ein Antreten bei den Hallen-Weltmeisterschaften hat der 26-Jährige keine Lust. Auch Weltmeister David Rudisha bleibt seiner Linie treu und lässt Indoor-Meisterschaften links liegen, ebenso fehlen Nijel Amos und Amel Tuka. Dennoch verspricht die Entscheidung über die vierfache Hallenrunde für Spannung, auch wenn im spärlichen, 15-köpfigen Teilnehmerfeld einige Exoten weilen. Nach einer enttäuschenden vergangenen Saison will Titelverteidiger Aman in seiner Wahlheimat ein Zeichen setzen. Angesichts zahlreicher Abwesenheiten großartiger 800m-Läufer hofft auch der frisch gebackene US-Meister Boris Berian, der aktuell ohne Sponsor auskommen muss, auf eine Medaillenchance. Auch dem zweiten US-Amerikaner Erik Sowinski ist ein Eingreifen um den Kampf um Spitzenplätze zuzutrauen. Aus Kenia, dass offensichtlich nicht viel auf die Hallen-WM setzt, ist mit Edward Kemboi und Jeremiah Mutai bestenfalls die dritte Garde am Start, ein heißer Medaillenkandidat ist neben Antoine Gakeme aus Burundi besonders WM-Finalist und Asien-Meister Musaeb Abdulrahman Balla aus dem Katar. Von den fünf Europäern ist der 18-jährige schwedische Shootingstar Andreas Kramer die heißeste Aktie. Mit Spannung erwartet wird auch der Auftritt des gleichaltrigen marokkanischen Talents Mostafa Smaili.

800m-Lauf der Damen

Finallauf: Sonntag, 20. März um 13:30 Uhr Ortszeit (21:30 Uhr MEZ)
Vorläufe: Samstag, 19. März um 11:15 Uhr Ortszeit (19:15 Uhr MEZ)
Titelverteidigerin: Chanelle Price (USA)
Amtierende Freiluft-Weltmeisterin: Maryna Arzamasova (Weißrussland)
Wer ist die erfolgreichste Nation bei Hallen-Weltmeisterschaften im 800m-Lauf der Damen? Richtig, Mosambik. Neunmal nahm Maria Mutola an Hallen-Weltmeisterschaften teil und gewann neunmal eine Medaille, sieben davon in Gold. Ein Rekord, der wohl für die Ewigkeit bestimmt ist.
In Abwesenheit von Eunice Sum, die diese Disziplin in den letzten Jahren geprägt hat, und Weltmeisterin Maryna Arzamasova hat selbstverständlich keine Teilnehmerin in Portland nur ansatzweise ähnliche Meriten aufzuweisen wie die legändere Mutola. Dafür eröffnet sich jungen Läuferinnen eine hervorragende Chance, im internationalen Rampenlicht erfolgreich aufzutreten. Die Weltjahresschnellste ist die 21-Jährige Ajee Wilson, die in die Fußstapfen von Sensations-Weltmeisterin Chanelle Price treten möchte, und sich durchaus berechtigte Hoffnungen auf einen Titel vor heimischem Publikum machen darf. Eine der größten Herausforderinnen könnte die 23-jährige Kubanerin Rose Mary Almanza sein. Die schnellste Zeit aller Teilnehmerinnen hat Francine Niyonsaba, ebenfalls erst 22, aufzuweisen, die allerdings kein Hallen-Rennen bestritten hat, nach einer langen Verletzungsphase Ende des letzten Jahres aber ihr Potenzial, welches sie bereits 2012 unter Beweis gestellt hatte, andeuten konnte. Auch aus Afrika kommen junge Läuferinnen: Tigist Assefa und die erst 18-jährige Habitam Alemu aus Äthiopien sowie Margaret Wambui aus Kenia. Dazu kommt das isländische Talent Anita Hinriksdottir.
Von den routinierten Läuferinnen haben die Marokkanerin Malika Akkaoui und die Britin Lynsey Sharp beste Chancen auf eine vordere Platzierung. Nach einer starken Hallen-Saison hofft Deutschlands Vertreterin Christina Hering auf die Krönung mit einer Finalteilnahme in Portland.

1.500m-Lauf der Herren

Finallauf: Sonntag, 20. März um 14:05 Uhr Ortszeit (22:05 Uhr MEZ)
Vorläufe: Freitag, 18. März um 19:00 Uhr Ortstzeit (Samstag, 19. März um 03:00 Uhr MEZ)
Titelverteidiger: Ayanleh Souleiman (Dschibuti)
Amtierender Freiluft-Weltmeister: Asbel Kiprop (Kenia)
16 Läufer haben sich für den 1.500m-Lauf der Herren eingeschrieben, auf dem Zettel der Favoriten rangiert flächendeckend nur ein Name an erster Stelle: Ayanleh Souleiman. Einerseits zurecht, andererseits ist die Konkurrenz für den Titelverteidiger in Portland groß. Trotz der Abwesenheit des Weltmeisters Asbel Kiprop und Olympiasiegers Taoufik Makhloufi ist die „metrische Meile“ die am besten besetzte Laufentscheidung der Herren mit einer Hand voll Medaillenkandidaten. Neben Souleiman machen sich die Kenianer Bethwell Birgen und Vincent Kibet (Kenia wartet seit 2010 auf eine Medaille in dieser Disziplin!), der in diesem Winter äußerst stark agierende Lokalmatador Matthew Centrowitz, der in den USA lebende Neuseeländer Nick Willis und der Schnellste der Jahresliste, Abdalaati Iguider aus Marokko, Bronzemedaillengewinner 2014, allesamt berechtigte Hoffnung, auf das Stockerl zu springen. In diesem starken Umfeld sind selbst die beiden äthiopischen Starter Dawit Wolde und Aman Wote (trotz der Silbermedaille vor zwei Jahren) bestenfalls Außenseiter. Allerdings stand seit 2008 immer ein Äthiopier auf dem Podest.
Angesichts dieses starken Teilnehmerfeldes reduzieren sich die Hoffnungen der Europäer, die immerhin zu fünft im Rennen sind. Dennoch kündigte der erst 22 Jahre alte Brite Charlie Grice nach der Rückkehr von seinem Trainingslager mit dem großen Mo Farah in Äthiopien an, dass er Edelmetall anstrebt. „Ich komme in der richtigen Form nach Portland. Mein Ziel ist definitiv eine Medaille“, so der britische Meister. Mit Chris O’Hare ist ein weiterer Brite im Rennen, dazu kommen die Spanier Manuel Olmedo und Marc Alcala sowie Hallen-Europameister Jakub Holusa aus Tschechien, der bei einem langsamen Rennen im Finale auch seine Chance haben könnte – sofern er die schwierige Hürde Vorlauf nimmt.

1.500m-Lauf der Damen

Finallauf: Samstag, 19. März um 19:18 Uhr Ortszeit (Sonntag, 20. März um 03:18 Uhr MEZ)
Vorläufe: Freitag, 18. März um 13:25 Uhr Ortszeit (21:25 Uhr MEZ)
Titelverteidigerin: Abeba Aregawi (Schweden)
Freiluft-Weltmeisterin: Genzebe Dibaba (Äthiopien)
Als die alles überragende Genzebe Dibaba angekündigt hat, sich in Portland einzig auf den 3.000m-Lauf konzentrieren zu wollen, dürfte bei den Aspirantinnen über 1.500m ein kollektives Durchatmen eingetreten sein. Denn damit ist der Weg zur Goldmedaille möglich, zumal Titelverteidigerin Abeba Aregawi aufgrund ihrer Dopingsperre ebenfalls nicht anwesend ist. So rückt der Fokus auf die starken jungen Äthiopierinnen Dawit Seyaum und Axumawit Embaye, die die favorisierte Niederländerin Sifan Hassan attackieren möchten. „Ich favorisiere die Halle nicht wirklich. Meine Lungen arbeiten dort nicht perfekt, das Atmen fällt mir schwerer“, spielt die 23-jährige Hassen, im Vorjahr WM-Bronzemedaillengewinnerin, diese Favoritenstellung herunter. In einem insgesamt nicht uninteressanten Teilnehmerinnenfeld von 21 Athleten aus 16 Ländern stehen neben Hassan noch sieben weitere Europäerinnen, von denen die junge Schwedin Sarah Lahti ihre erste internationale Bewährungsprobe abgibt, am Start zu den Vorläufen. Auf eine Medaille spitzelt die US-Amerikanerin Brenda Martinez.

3.000m-Lauf der Herren
Mit dem überglücklichen Sieger Mo Farah am Boden jubelt Caleb Ndiku über die WM-Silbermedaille in Peking. © Getty Images for IAAF
Mit dem überglücklichen Sieger Mo Farah am Boden jubelt Caleb Ndiku über die WM-Silbermedaille in Peking. © Getty Images for IAAF
Finallauf: Sonntag, 20. März um 13:10 Uhr Ortstzeit (21:10 Uhr MEZ)
Vorläufe: Freitag, 18. März um 12:55 Uhr Ortszeit (20:55 Uhr MEZ)
Titelverteidiger: Caleb Ndiku (Kenia)
Amtierender Freiluft-Weltmeister (5.000m): Mo Farah (Großbritannien)
Dass Superstar Mo Farah die Hallen-Weltmeisterschaften in seiner Wahlheimat Portland sausen lassen würde, steht schon seit längerem fest. Erst seit kurzem klar ist jedoch, dass zwei US-amerikanische Größen das Rennen von der Tribüne ansehen müssen. Local Hero Galen Rupp verpasste die Qualifikation, Bernard Lagat startete bei den US-Trails erst gar nicht. Damit fehlt in Portland auch der erfolgreichste Athlet der letzten Jahre, denn der Altmeister gewann 2010 in Doha und 2012 in Istanbul Gold und 2014 als ältester Medaillengewinner im Laufbereich aller Zeiten Silber in Sopot.
Die Favoritenrolle fällt den Kenianern in die Hände. Und wer Kenia – erfolgreichste Nation bei den letzten Weltmeisterschaften in Peking 2015 – kennt, weiß um die beträchtlichen Erfolge im Laufsport. Dies hat sich bei den Hallen-Weltmeisterschaften allerdings bisher eher selten ausgewirkt. Im ewigen Medaillenspiegel rangiert Kenia mit acht Goldmedaillen und 24 weiteren Medaillen lediglich auf Rang zehn und damit weit hinter Äthiopien, das bei 20 Goldmedaillen hält. Beste Chancen, diese Bilanz aufzupolieren, haben Titelverteidiger Caleb Ndiku und sein Landsmann Augustine Choge, der in der bisherigen Saison den besten Eindruck hinterlassen hat. Die Riege der Herausforderer wird angeführt vom jungen Äthiopier Yomif Kejelcha, der von seinem Landsmann Dejen Gebremeskel oder Yenew Alamirew begleitet wird. Ein Wörtchen um Spitzenplatzierungen mitsprechen möchten auch vier starke Nordamerikaner: Ryan Hill und Paul Chelimo aus den USA sowie Mohammed Ahmed und Cam Levins aus Kanada. Mit den Briten Tom Farrell und Emanuel Lee sowie dem Spanier Victor Garcia stellen sich lediglich drei Europäer der Herausforderung über die längsten Laufdistanz bei Hallen-Weltmeisterschaften. Auch Abdalaati Iguider ist gemeldet, es ist allerdings fraglich, ob der 1.500m-Läufer einen Doppelstart wagt.

3.000m-Lauf der Damen

Finallauf: Sonntag, 13:45 Uhr Ortszeit (21:45 Uhr MEZ)
Titelverteidigerin: Genzebe Dibaba (Äthiopien)
Freiluft-Weltmeisterin (5.000m): Almaz Ayana (Äthiopien)
Genzebe Dibaba gegen Meseret Defar – so lautet das große Duell im 3.000m-Lauf der Damen. Die zweifache Olympiasiegerin, zweifache Weltmeisterin und mehrfache Medaillengewinnerin gibt nach ihrer Babypause ihr Comeback in dieser Saison – einige wenige Vorleistungen lassen erahnen, dass sich die 32-Jährige bereits wieder in einer fantastischen Verfassung befindet. Sechsmal hat sie bei Hallen-Weltmeisterschaften bereits Edelmetall geholt, viermal Gold. Mit ihrer siebten Teilnahme ist sie Rekordteilnehmerin all jener Athletinnen und Athleten, die in Portland weilen – doch im Oregon Convention Center sind alle noch so beeindruckenden Leistungen der Vergangenheit Schall und Rauch. Denn Defar trifft auf eine übermächtige Gegnerin und es wäre durchaus eine Überraschung, könnte sie die haushohe Favoritin Genzebe Dibaba ernsthaft fordern.
Da nur 15 Athletinnen gemeldet haben, wird auf einen Vorlauf verzichtet. Läuft alles normal, bleibt für den Rest noch die Bronzemedaille übrig und da stehen die Chancen von Shannon Rowbury gar nicht schlecht, dass sie diese für die gastgebende Nation sichert. Größte Konkurrentin könnte die gebürtige Äthiopierin Betlhem Desalegn, die für die Vereinigt Arabische Emirate startet. Da die beiden Kenianerinnen Nancy Chepkwmoi und Betsy Saina auch in dieser Disziplin nicht aus der ersten Garde stammen, hoffen auch die Europäerinnen auf ansprechende Platzierungen. die besten Chancen dürften dabei die Polin Renata Plis, die Britin Stephanie Twell und die Holländerin Maureen Koster haben.
Hallen-Weltmeisterschaften 2016 in Portland