Lucas Rotich gewinnt 71. Lake Biwa Mainichi Marathon

© Lake Biwa Mainichi Marathon / Victah Sailer

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Es gibt Marathons, die sich in ihrer Entwicklung des Rennens vom klassischen Ausscheidungsrennen einer Top-Gruppe bis hin zur finalen Attacke aus einer kleinen Spitzengruppe unterscheiden. Der Lake Biwa Mainichi Marathon im japanischen Otsu war so ein Beispiel, denn zahlreiche japanische Läufer wollten die letzte Möglichkeit, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, bei diesem Rennen nutzen, womit der Charakter des Wettkampfs ein eigener war. Genau genommen fanden in einem Marathon zwei Rennen statt: Die Spitzengruppe mit der ostafrikanischen Elite um Sieger Lucas Rotich aus Kenia, dem drittplatzierten Alphonce Simbu aus Tansania und Munyu Mutai aus Uganda auf der einen und die Gruppe der japanischen Eliteläufer auf der anderen Seite, die aufgrund der nur mäßigen Vorleistungen ihrer Landsleute bei den beiden vorangegangenen Olympia-Qualifikationsrennen voll motiviert an den Start gegangen waren. Als Pacemaker Samuel Kosgei nach 25 Kilometer überraschend für die Spitzengruppe in die Verfolgergruppe zurückbeordert wurde, um die Japaner zu unterstützen, entwickelte sich ein eigenartiges, aber hochspannendes Rennen. Denn diese Dramatik im Finale hätte auch ein striktes Drehbuch vor dem Rennen nicht interessanter gestalten können.

Frühe Attacke

Für einen Spannungsmoment sorgte der Äthiopier Shura Kitata, der sich bei Kilometer 13 auf die Socken machte. In einer beeindruckenden Zwischenzeit von 1:02:36 Stunden passierte er mit 41 Sekunden Vorsprung auf seine afrikanischen Konkurrenten die Halbmarathon-Marke. Doch die Befürchtungen, Kitata könne dieses Tempo nicht bis zum Schluss gehen, realisierten sich schnell und 13 Kilometer vor der Ziellinie war Kitata wieder eingefangen. Am Ende kam der erschöpfte 19-Jährige auf Rang 16 ins Ziel und musste eine Lehrstunde in Sachen Marathon-Taktik über sich ergehen lassen. Vor zwei Monaten hatte der äthiopische Youngster noch mit Rang zwei beim Xiamen Marathon überzeugen können, im vergangenen Herbst stand er beim Shanghai Marathon auf dem Podest.

Rotich sichert Sieg im Finale ab

Nachdem Kitata den Anschluss verloren hatte, entwickelte sich ein Duell zwischen Rotich und Simbu um den Sieg. „Ab jenem Zeitpunkt, als der Pacemaker nach hinten verschwunden war, wurde es hart“, erzählte der Kenianer. Und tatsächlich, die Verfolgergruppe mit den schnellsten Japanern rückte in der Schlussphase immer näher an das Duett an der Spitze heran. Noch bevor es allerdings zum Zusammenschluss kam, attackierte Rotich, im vergangenen Jahr Sieger des Hamburg Marathon, und überquerte in einer Zeit von 2:09:11 Stunden als Erster die Ziellinie.

Kitajima empfiehlt sich für Olympia
© Lake Biwa Mainichi Marathon / Victah Sailer
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Für die herausragende Leistung der Japaner sorgte Hisanori Kitajima, der in einem spannenden Kampf zwischen den schnellsten Japanern in der Endphase des Rennens – in der die Konkurrenz zwischen den Japanern im Kampf um Olympia-Startplätze spürbar war – die Oberhand behielt und nach einer Attacke auf dem letzten Kilometer im Ojiyama Stadion sogar noch Simbu überholte und in einer Zeit von 2:09:16 Stunden den zweiten Rang sicherte. Obwohl der 31-Jährige bei seinem dritten Marathon erstmals nicht gewann – im vergangenen Jahr gewann er überraschend den Sydney Marathon, durfte er sich freuen, zumal er seine persönliche Bestleistung um über drei Minuten steigerte. „Bei Kilometer 37 trat Seitenstechen auf. Ich habe mir immer wieder leicht in die Seite getippt und das hat tatsächlich geholfen. Ich konnte im Finale noch zulegen, ich bin überglücklich“, freute sich Kitajima. Als zweitbester Japaner kam bei warmen Marathon-Bedingungen mit Temperaturen rund um die 20°C Suehiro Ishikawa ins Ziel, der sich damit ebenfalls konkrete Hoffnungen auf eine Olympia-Nominierung machen darf, da er hinter Satoru Sasaki (Fukuoka Marathon) und Kitajima die drittschnellste Qualifikationszeit gelaufen ist. Das enge Finale, das von zahlreichen Attacken und Angriffen gezeichnet war, komplettierten der fünftplatzierte Takuya Fukatsu und Fumihiru Maruyama, der als Sechster lediglich 28 Sekunden Rückstand auf den Sieger hatte. Der Marathon-Debütant hatte im Finale zu früh seine Attacke lanciert, ehe ihm auf den letzten Metern das Benzin ausging.

Kawauchi nicht zu Olympia

Keine Chance auf eine Olympia-Ticket hat dagegen „Citizen Runner“ Yuki Kawauchi, der in einer Zeit von 2:11:53 Stunden auf Rang sieben ins Ziel kam. Der Vielläufer hatte überraschend früh den Anschluss an die in der Startphase unruhig laufende Spitzengruppe verloren, kämpfte sich aber im Verlaufe des Rennens tapfer einen Platz nach dem anderen nach vor. Vor dem Rennen hatte er für kräftigen Wirbel in der japanischen Öffentlichkeit gesorgt und darauf bestanden, sein Startgeld eigenhändig zu bezahlen und keine dem Elitefeld zugeordnete Startnummer anzunehmen.
Der Lake Biwa Mainichi Marathon überzeugte durch seine hohe Qualität in der Breite, nicht weniger als 123 Läufer unterboten die 2:30-Stunden-Marke.

Ergebnis Lake Biwa Mainichi Marathon

1. Lucas Rotich (KEN) 2:09:11 Stunden
2. Hisanori Kitajima (JPN) 2:09:16 Stunden
3. Alphonce Simbu (TAN) 2:09:19 Stunden
4. Suehiro Ishikawa (JPN) 2:09:25 Stunden
5. Takuya Fukatsu (JPN) 2:09:31 Stunden
6. Fumihiru Maruyama (JPN) 2:09:39 Stunden
7. Yuki Kawauchi (JPN) 2:11:53 Stunden
8. Kentaro Nakamoto (JPN) 2:12:06 Stunden
9. Hiroto Inoue (JPN) 2:12:56 Stunden
10. Soji Ikeda (JPN) 2:13:27 Stunden
Lake Biwa Mainichi Marathon