Abend der Weltrekorde in Stockholm

© Hasse Sjögren

© Hasse Sjögren
© Hasse Sjögren
Der Hattrick ist vollendet: Dreimal war Genzebe Dibaba in den letzten drei Jahren zu Gast in der Ericsson Globe Arena von Stockholm, ebenso oft bescherte sie der Veranstaltung, die zu den Höhepunkten der alljährlichen Hallensaison gehört, einen Indoor-Weltrekord. Nach jenen über 3.000m und 5.000m schnappte sich die 25-Jährige Äthiopierin dieses Jahr den Weltrekord über die Meile und erfüllte diese Zielsetzung ähnlich wie jene der letzten Weltrekorde – in einer beeindruckend dominanten Art und Weise. Denn auch in Stockholm hatte die Äthiopierin keine Konkurrentin, die sie zu diese Überleistung getrieben hätte. Ganz im Gegenteil: Als die Pacemakerin Joanna Jozwick, die die 800m in 2:00,12 Minuten Vollgas anlief, ihren – wie Dibaba später sagen sollte – „perfekten“ Job beendet hatte, zog sie alleine ihre Kreise und stoppte die Zeit an der Ziellinie bei 4:13:31 Minuten. Den 26 Jahre alten Hallen-Weltrekord der Rumänin Doina Melinte hatte sie um knapp vier Sekunden verbessert – ein Meilenstein im wahrsten Sinne des Wortes! Im Freien, wo grundsätzlich aufgrund der halbierten Anzahl von Kurven schneller gelaufen wird, war nur eine Läuferin über die Meile je schneller: Weltrekordlerin Svetlana Masterkova 1996 in Zürich. Ob diese Marke diesen Sommer überleben wird, scheint angesichts der überwältigenden Weltrekord-Serie von Dibaba mehr als fraglich.
„Ich wusste, dass die Bahn in einem Top-Zustand ist. Das war perfekt. Das einzig kleine Problem waren die Temperaturen in der Halle. Mir war ein bisschen zu kalt“, lachte die überglückliche Siegerin nach dem Rennen, das sie mit einem breiten Grinsen beendet hatte. „Ich bin überglücklich mit diesem Rekord“, fügte sie an.

Landesrekord für Schweden auch ohne Aregawi

Auch wenn in der öffentlichen Aufmerksamkeit untergegangen, auch die Zeiten hinter Dibaba waren stark. Ihre Landsfrau Gudaf Tsegay erzielte in einer Zeit von 4:24,98 Minuten trotz des schier riesigen Rückstands auf die Siegerin eine neue persönliche Bestleistung und ist nun die Nummer 22 der ewigen Bestenliste, ihre Landsfrau Axumawit Embaye komplettierte weitere drei Sekunden hinter dem 19-jährigen Talent den äthiopischen Dreifachsieg. Zur Enttäuschung des ansonsten begeisterungsfähigen Publikums hatte die für Schweden laufende Äthiopierin Abeba Aregawi kurzfristig aufgrund von Rückenproblemen auf ein Antreten verzichtet. Doch der Ärger darüber löste sich bald in Jubel auf, denn die junge Sara Lahti sprang in die Bresche und zauberte in einer Zeit von 4:30,42 Minuten auf Rang fünf einen neuen schwedischen Landesrekord auf die Bahn. Die bisherige schwedische Bestleistung hatte Johanna Nilsson 13 Jahre lang gehalten.

Souleimans großer Triumph

Aus Sicht der Mittelstreckenläufer war die Globen Galan 2016 ein besonderes Meeting – und aus Sicht des Trainer Jama sogar ein geniales. Denn Genzebe Dibabas Trainingspartner Ayanleh Souleiman erfüllte sich den Wunsch eines Weltrekordes über 1.000m. Hervorragend vorbereitet durch Pacemaker Bram Som lancierte der Star aus Dschibuti eine furiose Schlussrunde und beendete das Rennen in einer Zeit von 2:14,20 Minuten – 72 Hundertstelsekunden schneller als der unvergessene kenianische Däne Wilson Kipketer vor 16 Jahren in Birmingham. „Ich war bereit für diese Leistung. Das ist mein erster Weltrekord, ich bin überglücklich. Ich möchte meinem Coach danken für seinen tollen Einsatz in der Arbeit mit mir“, jubelte der 23-Jährige. Auch der dritte Weltrekordler des Abends, der katarische Sprinter Abdalelah Haroun im 500m-Lauf, trainiert unter der Federführung von Aden.
Rang zwei ging an den Holländer Thijmen Kupers, der sensationell 1.500m-Vize-Weltmeister Elijah Manangoi schlug. Der amtierende Hallen-Europameister über die „metrische Meile“ kam auf Rang vier ins Ziel.

Kszczot unschlagbar

Aktuell gibt es keinen 800m-Läufer auf der Welt, der den Polen Adam Kszczot in der Halle besiegt. Der 26-Jährige verlängerte in Stockholm eine Siegesserie und markierte in einer Zeit von 1:45,63 Minuten standesgemäß eine Weltjahresbestleistung. Zweiter wurde Musaeb Balla vor Nicholas Kipkoech, der den B-Lauf gewann. Der junge Schwede Andreas Kramer stellte in einer Zeit von 1:47,85 Minuten einen neuen Hallen-Junioren-Europarekord auf. Nachdem Kszczot auch in Karlsruhe gewonnen hat, übernahm er deutlich die Führung in der neuen IAAF World Indoor Tour, dessen finale Veranstaltung am Samstag in Glasgow über die Bühne gehen wird. Bei allen vier Siegen in den vergangenen zwei Wochen wies Kszczot in seinen gelaufenen Zeiten eine auffallende Konstanz auf.
Eine Weltjahresbestleistung gelang auch dem Marokkaner Abdelaati Iguider, der im 3.000m-Lauf in einer Zeit von 7:39,04 Minuten dank einer tollen Schlussrunde überraschend die beiden Äthiopier Yomif Kejelchea und Yenew Alamirew schlug. Die besten Kenianer Augustine Choge und Caleb Ndiku fehlten in der schwedischen Hauptstadt.
Globen Galan in Stockholm