Hattrick für Heath in Edinburgh

© Getty Images

Der US-Amerikaner Garrett Heath hat den Great Edinburgh Cross Country bereits zum dritten Mal in Folge für sich entschieden. Einen derartig prominenten Rivalen hat er dabei in den letzten beiden Jahren nicht besiegen können. Doch als die entscheidende Phase des acht Kilometer langen Rennens auf matschigem Untergrund anbrach, setzte Heath im Duell mit Mo Farah, der als Kapitän des britischen Teams mit großen Ambitionen an den Start gegangen war, die entscheidende Attacke, bei der der in eine Mütze gehüllte Brite seine gewohnte Spurtstärke nicht einsetzen konnte.

© Getty Images
© Getty Images
Farah im Finale geschlagen

Dabei hatte der große Meister auf den langen Distanzen auf der Bahn sein gefürchtetes Finale vorbereitet, indem er sich stets im Windschatten der führenden Läufer aufhielt. In der vorletzten Runde probierte der zweifache Olympiasieger dann einen ersten Angriff, den aus einer fünfköpfigen Spitzengruppe nur mehr Heath parieren konnte. Der US-Amerikaner, der in der schottischen Hauptstadt sein sportliches Wohnzimmer gefunden zu haben scheint, profitierte von einem vorzüglichen Finish und erreichte die Ziellinie in einer Zeit von 25:29 Minuten, zwei Sekunden vor dem Favoriten. „Ich habe wirklich nicht erwartet, zu gewinnen. Mo ist ein herausragender Läufer und es ist sensationell, gegen ihn zu laufen. Ich habe alles aus mir herausgeholt. Im Finale habe ich jeden Moment erwartet, dass er mich auf der Zielgerade noch einholt. Aber er ist nicht mehr in meinem Blickfeld aufgetaucht“, rekapitulierte ein sichtlicher überraschter und überglücklicher Sieger.

Startschuss in die Olympia-Saison

Mo Farah wäre nicht Mo Farah, wenn ihm diese Niederlage nicht auf den Geist ginge. „Ich mag es nicht, Rennen zu verlieren. Aber es ist besser jetzt eines zu verlieren als später im Jahr. Schließlich sind wir noch am Beginn der Saison“, beschwichtigte der Superstar nach seinem ersten offiziellen Crosslauf seit Jahren leicht zerknirscht, streute seinem Kontrahenten aber fair Rosen: „Gareth Heath ist ein fantastischer Athlet.“ Unmittelbar nach dem Wettkampf reiste Farah ins Trainingslager nach Äthiopien, wo er den Grundstein für eine erfolgreiche Olympia-Saison 2016 legen will.
Im Kampf um Rang drei setzte sich der US-Amerikaner Scott Faulb gegen die beiden Briten Callum Hawkins und Ross Millington durch, die zu Mitte des Rennens das Tempo mitgestaltet hatten.

Britischer Sieg bei den Damen
© Getty Images
© Getty Images
Im Gegensatz zu den Herren konnte das britische Team bei den Damen einen Heimsieg bejubeln. Die zweifache Crosslauf-EM-Silbermedaillengewinnerin Kate Avery übernahm bereits in der Frühphase des Rennens die Initiative und erwies sich als die klar stärkste Läuferin im Rennen. Einzig die zweifache Crosslauf-Europameisterin Fionnuala McCormack hielt lange Zeit einigermaßen mit Avery mit und kreuzte die Ziellinie am Ende vier Sekunden hinter der Siegerin, die für die sechs Kilometer eine Zeit von 21:05 Minuten benötigte. „Ich fühle mich wie im siebenten Himmel. Das ist der größte Sieg meiner Karriere!“, jubelte die 24-jährige Britin, die in den USA lebt und in den letzten Jahren bei diversen Rennen häufig im Spitzenfeld agierte, aber selten den Siegeslohn abholen konnte. Die mitfavorisierte Gemma Steel sicherte sich mit einiger Verspätung Rang drei vor Ancuta Bobcel aus Rumänien.

Großbritannien schlägt Europa und USA

Im traditionellen Teamvergleich zwischen Großbritannien, der USA und Europa gingen die Hausherren mit 125 Punkten als klare Sieger hervor. Europa belegte mit 197 Punkten den zweiten Platz vor der USA mit 232 Punkten, die einzig im Herren-Rennen satt punkten konnten. Das Rennen der Junioren über sechs Kilometer gewann der talentierte Brite Alex Yee vor dem Iren Kevin Mulcaire und dem Franzosen Fabien Palcau. Bei den Juniorinnen siegte die Britin Bobby Clay vor ihrer Landsfrau Harriett Knowles-Jones und der Dänin Anne Emilie Möller. Die Deutsche Sarah Kistner kam als Führende des Verfolgerfelds auf Rang vier ins Ziel. Sie hatte als einzige von fünf deutschen Läuferinnen und Läufern die Nominierung für Team Europa angenommen, der Rest des deutschen Teams bevorzugte ein Trainingslager in Südeuropa anstatt bei einem der prestigeträchtigsten Crossläufe in Europa teilzunehmen.

Ergebnisse Great Edinburgh Cross Country

Herren (8km)
1. Gareth Heath (USA) 25:29 Minuten
2. Mo Farah (GBR) 25:31 Minuten
3. Scott Faubl (USA) 25:38 Minuten
4. Callum Hawkins (GBR) 25:41 Minuten
5. Ross Millington (GBR) 25:43 Minuten
6. Dewi Griffiths (GBR) 25:50 Minuten
7. Andrew Butchart (GBR) 25:53 Minuten
8. Lorenzo Dini (ITA) 25:54 Minuten
9. Brian Harvey (USA) 25:54 Minuten
10. Alexander Monroe (USA) 25:57 Minuten
Team Herren
1. Großbritannien 36 Punkte
2. USA 47 Punkte
3. Europa 112 Punkte
Damen (6km)
1. Kate Avery (GBR) 21:05 Minuten
2. Fionnuala McCormack (IRE) 21:09 Stunden
3. Gemma Steel (GBR) 21:31 Minuten
4. Ancuta Bobcel (ROM) 21:38 Minuten
5. Charlotte Arter (GBR) 21:39 Minuten
6. Amy van Alstine (USA) 21:41 Minuten
7. Trihas Gebre (ESP) 21:43 Minuten
8. Anna Baumeister (DEN) 21:46 Minuten
9. Lizzie Lee (IRE) 21:51 Minuten
10. Mattie Suver (USA) 21:53 Minuten
Team Damen
1. Europa 41 Punkte
2. Großbritannien 48 Punkte
3. USA 100 Punkte
Team insgesamt
1. Großbritannien 125 Punkte
2. Europa 197 Punkte
3. USA 232 Punkte
Junioren (6km)
1. Alex Yee (GBR) 19:23 Minuten
2. Kevin Mulcaire (IRE) 19:25 Minuten
3. Fabien Palcau (FRA) 19:32 Minuten
4. Philipp Rocha (USA) 19:41 Minuten
5. Jack O’Leary (IRE) 19:43 Minuten
Juniorinnen (4km)
1. Robby Clay (GBR) 14:09 Minuten
2. Harriett Knowles Jones (GBR) 14:11 Minuten
3. Anne Emilie Möller (DEN) 14:12 Minuten
4. Sarah Kistner (GER) 14:23 Minuten
5. Katie Rainsberger (USA) 14:29 Minuten
Great Edinburgh Cross Country