Australische Experten kontern IAAF-Bericht

© getty images

© getty images
© getty images
Im Rahmen des im Sommer von der deutschen Fernsehanstalt ARD veröffentlichten Dokumentarfilms „Geheimsache Doping – im Schattenreich der Leichtathletik“ analysierten die beiden australischen Doping-Experten Michael Ashenden und Robin Parisotto eine Liste von rund 12.000 Dopingtests im Zeitraum zwischen 2001 und 2012 und stellten der Liste einen äußerst negativen Gesamteindruck aus. Sie bezeichneten die darauf enthaltenen Werte als klares Anzeichen für flächendeckendes Doping. Allerdings fehlte diesen Anschuldigungen ein konkreter wissenschaftlicher Beweis und dieser wurde den beiden durch ein vom Leichtathletik-Weltverband IAAF veröffentlichtes Dokument ebenso abgesprochen wie eine rechtlich gültige Basis für die Anschuldigungen. In diesem Schreiben wies die IAAF – im heutigen Kontext muss man das Adjektiv „selbstschützend“ sicherheitshalber hinzufügen – nicht nur auf die Vorreiterrolle im Kampf gegen Blutdoping hin, sondern kritisierte Ashenden und Parisotto direkt. Durch den durch ihre oberflächliche Analysen entstandenen Generalverdacht würden zahlreiche Leichtathleten und Stars früherer Jahre zu Unrecht des Dopings verdächtigt.
Der Konter aus Australien
Nach dem Vorstoß der IAAF Ende der letzten Woche dauerte es nicht lange bis zum Konter vom anderen Ende der Welt. Michael Ashenden bezeichnete die Erklärung der IAAF in einem öffentlichen Statement als „aufgeblähtes Dokument“, welches das Ziel habe, das Wasser zu verschmutzen und nicht unbeantwortet bleiben dürfte. „Die Ironie eines in Ungnade gefallenen Verbandes prallt nicht an mir ab. Lassen Sie uns abwarten, die Geschichte wird weisen, wer auf der richtigen Seite sitzt.“ Robin Parisotto ruft in seinem Statement dazu auf, dass „die IAAF aufhören soll, auf die Boten zu schießen und lieber mit der Bewältigung des eklatanten Dopingproblems in den eigenen Reihen zu beginnen.“ Die beiden australischen Forscher begründen ihre Gegenoffensive in den negativen Auswirkungen von Blutdoping auf die menschliche Gesundheit. „Die IAAF war zaghaft auf der rechtlichen Basis, anstatt moralisch stark zu sein“, kritisiert Ashenden. Parisotto giftete in Erwartung des zweiten Teils des WADA-Berichts aus Russland, welcher Anfang des nächsten Jahres präsentiert werden soll: „Vielleicht sollte die IAAF vorsorglich bereits eine kalte Dusche nehmen!“
Emotionales Interview von Paula Radcliffe
Paula Radcliffe kämpft um ihren guten Ruf . © SIP
Paula Radcliffe kämpft um ihren guten Ruf . © SIP
In der Erklärung von Seiten der IAAF von vergangenem Freitag ist Paula Radcliffe stellvertretend für alle Athleten angeführt worden, die durch Analysen, welche „weder auf wissenschaftlicher Basis noch rechtlicher Legitimität“ gestützt seien, in Kritik geraten sind. Radcliffe wurde in den letzten Monaten mehrfach des Blutdopings beschuldigt, sie selbst hatte sich stets ausführlich gegen die Anschuldigungen gewehrt, hat aber auf eine Veröffentlichung ihrer Blutproben verzichtet, da sie diesen Eingriff in die Privatsphäre nicht akzeptierte. „Mein Name wurde durch den Dreck gezogen. Ich bin als Betrügerin abgestempelt worden. Das war das schlimmste, was mir je passiert ist. Ich will nicht, dass die Leute die Erinnerung an mich behalten, dass ich mit Doping assoziiert wurde“, erklärt die Marathon-Weltrekordhalterin ihre offensive Vorgehensweise in britischen Medien. „Ich bin unschuldig. Ich habe nie Dopingmittel genommen“, würde Radcliffe sich sogar einem Lügendetektor-Test unterziehen. Konkret basierten die Anschuldigungen auf drei von der britischen Zeitung „Sunday Times“ veröffentlichten Daten außerhalb des für weibliche Athletinnen vorgesehenen Bereichs, die die Britin allerdings mit der Einwirkung natürlicher Umstände für Experten nachvollziehbar erklärte.
„Zwölf Monate in der Hölle“
In einem ausführlichen Interview mit der britischen Tageszeitung Daily Mail in Monaco gab Radcliffe einen Einblick in ihr Innenleben. „Die letzten zwölf Monate waren die Hölle“, erzählte sie den Tränen nahe, „Das hat nicht nur mich, sondern auch die Kinder belastet. Die ganzen Anrufe, all die Sorgen, alle abgesagten Ferien, weil Mama und Papa sich mit dem Anwalt beraten mussten. Schrecklich!“ Die 43-Jährige kritisierte das Vorgehen der Welt Anti Doping Agentur WADA und der britischen Anti Doping Agentur UK Anti Doping, die ihr offenbar keine Möglichkeit zur Verteidigung gab.