Dominguez verliert WM-Titel von 2009

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Es war der 17. August 2009 auf der blauen Tartanbahn im Berliner Olympiastadion: Die Spanierin Marta Dominguez kürte sich im 3.000m-Hindernislauf vor der späteren Olympiasiegerin Yuliya Zaripova und der späteren Weltmeisterin Milch Chemos zur Überraschungs-Weltmeisterin. Heute wissen wir einwandfrei, dieser sportliche Erfolg war erschwindelt. Dieser Ansicht ist nämlich der oberste internationale Sportgerichtshof in Lausanne bei seiner Urteilsverkündung. Das gestrige Urteil beendet ein jahrelanges Hickhack um auffällige Blutwerte, bei dem der spanische Leichtathletikverband RFEA keine gute Figur abgab.

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Rund drei Jahre nach ihrem Karrierende und sechs Jahre nach ihrem WM-Titel ist Marta Dominguez (hier bei den Olympischen Spielen 2012) endlich und endgültig des Dopings überführt. Alle ihre Ergebnisse ab August 2009 sind annulliert, darunter ein WM-Titel und eine EM-Silbermedaille. © Getty Images
Bereits zweimal im Fokus
Die heute 40-jährige Dominguez hatte bislang als Spaniens erfolgreichste Leichtathletin der Geschichte gegolten. Neben dem WM-Titel von Berlin gewann sie in den Jahren 2001 und 2003 jeweils WM-Silber in ihrer ehemaligen Spezialdisziplin, dem 5.000m-Lauf. Als sie sich im Jahre 2012 nach den erfolglosen Olympischen Spielen aus den Leistungssport zurückzog, hatte ihre blütenweiße Weste noch keine Flecken, obwohl sie während ihrer Karriere zweimal konkret im Zusammenhang mit Doping gebracht wurde. Doch sowohl den Dopingskandal um den berühmten spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes als auch eine Razzia im Rahmen einer Anti-Doping-Aktion der spanischen Polizei im Jahr 2010, bei der Dominguez kurze Zeit sogar festgenommen wurde, überstand sie ohne bleibenden Schäden, obwohl ihr Manager Jose Alonso und elf weiter Personen wegen Handelns mit Dopingmitteln verhaftet wurden. Dominguez’ Glückssträhne endete jedoch wenige Monate nach ihrem Karriereende, als der Leichtathletik-Weltverband IAAF bekannt hab, Unregelmäßigkeiten in ihrem biologischen Pass hätten auf jahrelanges Doping hingewiesen und eine vierjährige Sperre forderte. Obwohl Dominguez die Vorwürfe nicht entkräftigen konnte, sprach der spanische Leichtathletikverband RFEA seine Vorzeigeathletin, die mittlerweile als Politikerin aktiv ist, frei. Daraufhin schaltete die IAAF den CAS ein, auch die WADA legte Berufung ein. Der RFEA hat die Entscheidung der CAS-Richter bereits akzeptiert.
Wer ist die neue Weltmeisterin?
Da die Aberkennung des WM-Titels von Dominguez nun amtlich ist, stellt sich die pikante Frage ihrer Nachfolgerin. Denn die eigentliche Vize-Weltmeisterin Yuliya Zaripova wurde ebenfalls des Dopings überführt und hat den Olympiasieg von London bereits verloren. Das Ergebnis von den Weltmeisterschaften 2009 ist bisher allerdings noch nicht beanstandet worden. Dominguez verliert neben dem WM-Titel von 2009 auch die EM-Silbermedaille von 2010.
Auswirkungen auf zweite Karriere
Der Dopingskandal holt Marta Dominguez nun auch in ihrem Leben nach ihrer sportlichen Karriere unsanft ein. Neben einer dreijährigen Sperre, die aufgrund des Karriereendes nur auf dem Papier Auswirkungen zeigt, strich der CAS sämtliche sportliche Ergebnisse ab Anfang August 2009. Nur Stunden nach der Verkündung des Urteils strich die konservative Volkspartei Partido Popular die ehemalige Spitzensportlerin kurzerhand von der Kandidatenliste für die Parlamentswahlen in Spanien Ende des Jahres. Dort wollte sich Dominguez für einen Sitz im Unterhaus bewerben, PP fürchtet aber negative Auswirkungen auf den Wahlkampf der Partei.