Atsede Baysa gewinnt Premiere des Saitama Marathon

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„Ich habe mich lange Zeit mit Verletzungen herumgeplagt, aber heute hatte ich keine Probleme. Ich konnte mich zurücklehnen und mich darauf konzentrieren, das Rennen so schnell wie möglich zu beenden“, sagte eine erleichterte Atsede Baysa nach dem Rennen. Die erste Austragung des Marathon in der japanischen Millionenstadt Saitama, welche nur rund 30 Kilometer nördlich von Tokio liegt, war somit auch der Startpunkt einer zweiten Karriere für die Siegerin. „Es fühlt sich an, als hätte ich meinen ersten Marathon gewonnen“, gab die Äthiopierin nach dem Rennen zu.

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Erinnerungen an die guten alten Zeiten
Dabei gehörte die 28-Jährige vor einigen Jahren zur Elite im internationalen Marathonsport. Nach Siegen beim Istanbul Marathon und beim Paris Marathon (zweimal) fand ihre Karriere beim Chicago Marathon 2012 den vorläufigen Höhepunkt: In einer persönlichen Bestleistung von 2:22:03 Stunden triumphierte sie bei einem der größten Marathons der Welt. Doch dann musste Baysa durch ein dunkles Tal schreiten, immer wieder warfen sie gesundheitliche Probleme und muskuläre Probleme zurück. Und auch die Rückkehr auf die internationale Bühne verlief schleppend: Rang 17 in Dubai folgte Rang acht beim Paris Marathon. Doch in Saitama blitzte ihre alte Klasse wieder auf, Baysa dominierte das Rennen nach Belieben und erreichte die Ziellinie in einer Zeit von 2:25:44 Stunden drei Minuten vor der schärfsten Rivalin – eine für ein qualitativ beachtenswertes Feld seltene Überlegenheit, welche in einem beeindruckenden Sololauf auf den letzten zehn Kilometern gipfelte. Und so rückte Baysa wieder ins Blickfeld für eine erste Olympia-Teilnahme in Rio den Janeiro. „Ich weiß nicht, ob ich eine Chance habe. Da sind viele starke Läuferinnen in Äthiopien, die alle eine bessere Zeit aufweisen können als ich“, schraubte sie die Erwartungen allerdings zurück.
Strecke als Herausforderung
Der Saitama Marathon ist eine reiner Elite-Marathon für Frauen, in dessen Rahmen ein Mixed-Rennen für die Masse ausgetragen wurde, und ersetzt den Yokohama Marathon. Der Veranstalter hatte bedacht, zur Premiere ein starkes Feld einzuladen, was mitunter auch gelang, weil der japanische Verband seine Olympia-Vorausscheidung bei den Damen im Rahmen dieser Premiere austrug. Fragezeichen stellte die Wahl der Strecke in den Raum, die am Papier äußerst selektiv erschien, Baysa winkte aber ab: „Ich habe im Vorfeld gehört, es gäbe zahlreiche An- und Abstiege. Mir kam es aber nicht so dramatisch vor.“ Allerdings gab es auch Gegenstimmen, so hielt die drittplatzierte Kenianerin Rebecca Chesire fest, dass es eine sehr schwierige Strecke sei.
Yoshida beste Japanerin
Im Rennen um die drei begehrten Olympia-Startplätze, die der japanische Verband für die drei schnellsten Lokalmatadorinnen beim Saitama Marathon auserkoren hatte, zeigte die 34-jährige Kaori Yoshida eine feine Leistung. Je länger das Rennen andauerte, desto besser wurde die Japanerin und überholte zwei Kilometer vor dem Ende noch Chesire, um in einer Zeit von 2:28:43 Stunden mit einer deutlichen persönlichen Bestleistung als Zweite über die Ziellinie zu laufen. „Rückblickend wäre es besser gewesen, ich wäre ein bisschen aggressiver angelaufen. Mein Ziel war es, als beste Japanerin ins Ziel zu kommen, und das habe ich geschafft.“ Yoshida war beim Honolulu Marathon 2012 positiv auf EPO getestet worden und ist damit bis heute die einzige japanische Elite-Marathonläuferin, die jemals des Betrugs durch Doping überführt wurde.
Für ein besonders bei den Damen traditionell konkurrenzfähiges Marathon-Land waren die Qualifikationszeiten der Japanerinnen nicht überragend. Weder die Leistung von Yoshida noch der erfahrenen Yoko Shibui, die in einer Zeit von 2:31:06 Stunden auf Rang vier ins Ziel kam, jene der achtplatzierten Aki Otagiri in einer Zeit von 2:36:29 Stunden erst recht nicht.
Kabuu sagt Start ab, Arkhipova muss abreisen
Nachdem die ursprünglich als Zugpferd der Veranstaltung verpflichtete Lucy Kabuu, seit ihrer Bestleistung von 2:19:34 Stunden beim Dubai Marathon 2012 die Nummer neun der ewigen Bestenliste, kurzfristig ihren Start abgesagt hatte, reagierte der Veranstalter schnell und holte die Äthiopierin Meselech Melkamu ins Boot. Die ehemalige Siegerin des Frankfurt Marathon konnte jedoch abermals im Marathon nicht überzeugen und musste sich mit Rang sechs in einer Zeit von 2:33:59 Stunden zufrieden geben. Die ehemalige zweifache WM-Medaillengewinnerin über 5.000m, Sylvia Kibet musste im zweiten Marathon ihrer Karriere wie verhältnismäßig viele Mitglieder des Elitefeldes aufgeben. Die russische Olympia-Dritte von London, Tatyana Petrova-Arkhipova wurde als Folge der neuen Erkenntnisse im russischen Dopingskandal kurzerhand am Samstag ausgeladen, womit der Saitama Marathon schnell auf die ausgerufene Suspendierung des russischen Verbandes von internationalen Wettkämpfen reagierte. Damit bekam das in den letzten Tagen und Wochen vorherrschende Thema in der Leichtathletik auch beim Marathon in Fernost einen ordentlichen Spielraum. Noch am Freitag hatte Arkhipova an der Pressekonferenz teilgenommen.

Ergebnis Saitama Marathon der Damen

1. Atsede Baysa (ETH) 2:25:44 Stunden
2. Kaori Yoshida (JPN) 2:28:43 Stunden
3. Rebecca Chesir (KEN) 2:29:11 Stunden
4. Yoko Shibui (KEN) 2:31:06 Stunden
5. Winfredah Kebaso (KEN) 2:32:08 Stunden
6. Meselech Melkamu (EHT) 2:33:59 Stunden
7. Nastassia Ivanova (BLR) 2:35:23 Stunden
8. Aki Otagiri (JPN) 2:36:29 Stunden
9. Remi Nakazato (JPN) 2:40:31 Stunden
10. Tomomi Sawahata (JPN) 2:43:26 Stunden
Saitama Marathon