Verwirrung um Dopingverdacht

© Berlin Marathon

Laut kroatischen Medienberichten steht die EM-Vierte im Marathon, Lisa Nemec unter Dopingverdacht. Demnach soll dem kroatischen Leichtathletik-Verband laut kroatischen Medienberichten eine positive Dopingprobe, welche im österreichischen Anti-Doping-Labor in Seibersdorf analysiert wurde, vorliegen. So lange es keine offizielle Erklärung gibt, will die Athletin keine öffentlichen Aussagen tätigen. Wie kroatische Medien berichten, hat sie bereits ihren Anwalt konsultiert. Sowohl Nemec als auch ich Trainer Slavko Petrovic sind von ihrer Unschuld überzeugt und versuchen, von der entstandenen Verwirrung zu profitieren. Besonders der Coach gibt sich optimistisch, die Verwirrung zu lösen und den Kampf gegen die Anti-Doping-Jäger zu gewinnen. „Warum sollte Lisa beim Berlin Marathon sauber sein und wenige Tage später, kurz vor der Abreise zu eine Walfahrt nach Portugal, dopen? Vor dem Urlaub, das macht keinen Sinn“, fragte er provozierend.

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Zwei Dopingkontrollen binnen kurzer Zeit
Vor fünf Wochen lief Lisa Nemec den Berlin Marathon, den sie in einer Zeit von 2:27:57 Stunden auf dem starken siebten Platz beendete und damit auch die Vorgaben des kroatischen Leichtathletik-Verbandes für einen Start bei den Olympischen Spielen 2016 erfüllte. Im Rahmen des Marathons in der deutschen Hauptstadt hatte sie sowohl eine Urinprobe als auch einen Bluttest abgegeben, welche beide ein negatives Ergebnis aufwiesen. Nur gut eine Woche später klopfte allerdings die kroatische nationale Doping-Agentur an der Tür ihrer Wohnung in Zagreb und bat die 31-Jährige zu einer erneuten Dopingkontrolle, die nun in der Auswertung der A-Probe das positive Ergebnis brachte. Welche verbotene Substanz darin enthalten war, darüber gibt es noch keine konkreten Angaben. Kroatische Medien sprachen von einem „ziemlich verwirrenden“ Dokument, welches der kroatische Leichtathletik-Verband von der kroatischen NADA erhalten habe.
Verwirrung und Spekulationen
Nur einen Tag nach den ersten kroatischen Medienberichten über die angeblich positive Dopingprobe von Nemec, reagierte das kroatische Institut für Toxologie und Anti-Doping (HZTA) in einer Aussendung, bestätigte die Dopingkontrolle und dass eine verbotene Substanz darin gefunden worden wäre, dementierte aber ein spruchreifes positive Ergebnis und verwies auf das laufende Verfahren. Laut Spekulationen habe das HZTA ein negatives und ein positives Resultat vorliegen, für einen positiven Dopingtest müssen jedoch sowohl die A-Probe als auch die B-Probe ein übereinstimmendes, positives Ergebnis bringen. Ob es sich bei den beiden unterschiedlichen Ergebnissen um die Probe aus Berlin und jene aus Zagreb handelt oder ob die beiden Proben der Dopingkontrolle in Zagreb gemeint sind, ist nicht klar. Sollte am Ende ein positiver Dopingfall nachgewiesen werden, droht einer der besten Marathonläuferinnen Europas eine vierjährige Sperre.
EM-Vierte 2014
Lisa Christina Nemec (geboren Stublic) ist die Tochter eines Kroaten und einer US-Amerikanerin und wuchs in den USA auf, wo sie an der Columbia University studierte. 2008 zog sie nach Kroatien, wo sie professionelle Läuferin wurde. In den folgenden Jahren feierte sie auch auf österreichischem Boden Erfolge: 2010 lief sie beim Wörthersee Halbmarathon einen kroatischen Landesrekord und kam als Zweite ins Ziel, im Jahr darauf triumphierte sie beim Linz Marathon. 2013 gewann sie den Zürich Marathon mit neuem kroatischen Landesrekord von 2:25:44 Stunden. Im Jahr davor hatte sie sich als erste kroatische Marathonläuferin überhaupt für die Olympischen Spiele qualifiziert und belegte in London Rang 52. Den vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere feierte Nemec bei den Europameisterschaften in Zürich, wo sie eine Medaille nur knapp verpasste.