Mentaler Stress kann im Wettkampf die Muskeln lähmen

@SIP / Johannes Langer

unbeschwert laufen
Wer sowohl mental als auch körperlich unbeschwert am Start steht, hat die besten Chancen, seine best mögliche Leistung abrufen zu können. © SIP / Johannes Langer
Ist der Geist bei einem Lauf nicht frei von Sorgen, wirkt sich dies negativ auf die muskuläre Fähigkeit aus. Gemeint sind dabei nicht nur mentale Störgeräusche, sondern auch mentale Hemmungen, die auch im alltäglichen Leben ständig vorkommen, wenn man beispielsweise äußerlich anders handelt als innerlich gewünscht.
Diese Hypothese baut auf Erkenntnisse zweier Forschungen auf. Britische Forscher haben 2014 herausgefunden, dass Läufer, die vor einem 5km-Lauf einen Computertest, welcher mentale Hemmungen hervorruft, absolvierten, rund 5,3% an ihrer Leistungsfähigkeit einbüßten. In einer ähnlichen Studie mussten sich Probanden ein Ekel erregendes, dreiminütiges Video anschauen, bevor sie auf das Ergometer stiegen und ein 10 Kilometer langes Zeitfahren absolvierten. Jene Probanden, die ihren Emotionen beim Video nicht Ausdruck verleihen durften, fuhren um 3,3% langsamer und berichteten davon, dass der Start ins Zeitfahren mühsamer war.
Physische Fitness bei psychischer Fitness
Aus diesen Erkenntnissen leiten Experten ab, dass mentale Hemmungen oder Belastungen vor einem Wettkampf die sportliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Mentale Hemmungen florieren, wenn sich Läufer vor einem Rennen besonders unter Druck setzen, verbissen Ziele verfolgen oder – das andere Extrem – mit den Gedanken andere mentalen Belastungen bekämpfen. Selbst das Visualisieren des Rennens, welches mit dem Zeitabstand einiger Tage als motivierende Maßnahme angesehen wird, kann unmittelbar vor dem Rennen mentalen Stress erzeugen. Auch das Vorstellen der anstehenden Anstrengung fühlt laut einer Studie kanadischer Forscher dazu, dass sich die Ausdauerfähigkeit der Muskeln verringert – im Sinne einer automatischen ängstlichen Reaktion auf die Gedanken, die das Gehirn dem Körper vorgespielt hat. Sprich: Visualisierung und mentale Mantras sind eine große Hilfe bei der Vorbereitung eines Wettkampfs und unterstützen den Läufer in schwierigen Phasen während des Wettkampfs, lähmen ihn aber unmittelbar vor dem Start. Experten empfehlen daher nicht nur eine gezielte physische Vorbereitung auf einen Wettkampf, sondern auch eine gezielte psychische. Störgeräusche und Störgedanken müssen ohnehin so gut als möglich ausgeblendet werden. Die ideale Ausgangsposition sind also lockere Gedanken und eine gesunde Fokussierung auf den anstehenden Wettkampf.