Der Marathon der Superlative

© SIP / Johannes Langer

Er ist zweifelsohne das Nonplusultra unter den tausenden Marathon-Veranstaltungen, die es weltweit jährlich gibt: der New York City Marathon. Zwar nicht der älteste, traditionsreichste Marathon der Welt, aber der größte, beliebteste und wohl bekannteste. Ein Gigant selbst innerhalb der World Marathon Majors, der zahlreiche bedeutende Rekorde hält: Erster Marathon mit über 50.000 Finishern 2014, welche angefeuert wurden von weit über einer Million Zuschauer, erster Marathon, bei dem insgesamt über eine Million Menschen die Ziellinie überquert haben. Selbst als der unvergessene Fred Lebow den New York City Marathon in den 70er und 80er Jahren in neue Dimensionen führte, war noch nicht abzusehen, welch Massenattraktive Laufveranstaltung aus dem New York City Marathon werden würde. „Damals wäre es eine große Geschichte gewesen, 1.500 Starter zu haben“, erinnert Mary Wittenberg, ehemalige Vorsitzende der New York Road Runners (NYRR), veranstaltende Organisation des New York City Marathon, an die Anfangsjahre zurück. 45 Jahre später sind es weit über 50.000, der finanzielle Umsatz der Veranstaltung erreichte unvorstellbare Atmosphären. „Wir sind immer noch eine Organisation, die einen Lauf veranstaltet. Halt in der entsprechenden Größe“, erklärt der neue Vorsitzende der NYRR, Michael Capiraso. Der New York City Marathon nur der uneingeschränkte Höhepunkt diverser attraktiver Laufveranstaltungen am Big Apple. Doch der New York City Marathon ist längst kein normaler Lauf, er ist eine Marke und eine Art Sammlerstück für alle Marathon-Begeisterten auf der Welt. Unvorstellbare 130.000 Anfragen gingen für das heurige Event ein. Denn Jeder Marathonläufer auf der ganzen Welt träumt davon, auf der Verrazano-Narrows Bridge ins Rennen zu starten und im Central Park die verdiente Finisher-Medaille abzuholen.
 

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Beeindruckende Zahlen
Die Dimensionen des New York City Marathon werden erst auf Basis einiger Zahlen kategorisierbar. Über 50.000 Läufer brauchen während des Laufs 2,3 Millionen Becher, rund 235.000 Liter Wasser und rund 121.000 Liter Elektrolytgetränke alleine bei den Verpflegungsstationen. 1.800 mobile Toiletten stehen entlang der Strecke, rund 62 Tonnen Kleidung werden alleine für die Teilnehmer während des Rennens von A nach B transportiert.
Vier Legenden in Hall of Fame aufgenommen
Der New York City Marathon ist natürlich nicht nur der beliebteste Marathon für Hobbyläufer, sondern auch für die Stars. Kein anderer großer Marathon zieht derartig viele Eliteläuferinnen und Eliteläufer an, obwohl aufgrund des anspruchsvollen Kurses und dem Verzicht auf Pacemaker-Unterstützung keine Rekordzeiten möglich sind. Rechtzeitig vor dem 45. New York City Marathon nahm die NRR vier ehemalige Weltklasseläufer in die eigene Hall of Fame auf: Haile Gebrselassie, Tegla Loroupe, Paula Radcliffe und Paul Tergat. Der Sieg von Tegla Loroupe 1994 ging in die Geschichte ein, weil es der erste afrikanische bei den Damen war. Im Jahr darauf folgte ein zweiter Triumph. Ihr Landsmann Paul Tergat triumphierte im Jahr 2005, als er mit dem geringsten Abstand von einer Sekunde vor Hendrick Ramaala gewann. Der einzige aus diesem Quartet, der den New York City Marathon nie gewinnen konnte, ist Haile Gebrselassie, der bei seinem einzigen Auftritt am Big Apple 2010 verletzungsbedingt aufgeben musste. Die britische Weltrekordhalterin war in den Jahren 2004, 2007 und 2008 nicht zu schlagen.
Beeindruckende Serie
Der 22. Oktober 1978 – der New York City Marathon findet erst seit 1986 im November und seit 1996 an seinem nun traditionellen Termin am ersten November-Sonntag statt – ist ein bedeutendes Datum in der Geschichte des Marathonsports. Die damals noch völlig unbekannte Norwegerin Grete Waitz feierte ihren ersten Triumph beim New York City Marathon. Acht weitere ließ die bereits verstorbene Lauflegende folgen – vielleicht ein Rekord für die Ewigkeit. Am selben Tag stand auch eine 34-jährige Sportlehrerin namens Connie Lyke an der Startlinie. Heute heißt Conny Lyke Conny Brown und steht am Sonntag erneut an der Startlinie auf der Verrazano-Narrows Bridge – zum 37. Mal in Folge wird die mittlerweile 72-Jährige den Song „New York, New York“ von Frank Sinatra vor dem Startsignal hören. Seit 34 Jahren lebt die gebürtige New Yorkerin in Florida, am Marathon-Wochenende ist aber die „Stadt, die niemals schläft“ ihre Heimat. „Ich war so angetan vom New York City Marathon. Also hab ich mir gesagt: So lange es mir möglich ist, werde ich hierher zurückkommen, um meine Freunde und Familie zu besuchen und den Marathon zu laufen.“ Dabei geht es für sie nur um zwei Dinge: Gesund am Start zu sein und gesund ins Ziel zu laufen. „Ich denke schon lange nicht mehr an die Laufzeit, weil ich will nicht enttäuscht sein. Ich will diese Erfahrung Jahr für Jahr genießen“, so Brown, „und ich bin sicherlich immer dabei, so lange ich den New York City Marathon genießen kann.“
Ein einziger Läuferstrom
Die wahren Geschichten, die der New York City Marathon schreibt, bleiben der Öffentlichkeit, die sich auf spitzensportliche Aspekte konzentriert, verborgen. Doch jede Läuferin und jeder Läufer am Start des New York City Marathon erlebt seine eigene, fantastische Geschichte im Rahmen des großartigsten Marathons der Welt, während sie in einem einzigen Läuferstrom durch eine der spannendsten Städte der Welt laufen. Auch heuer werden es wieder deutlich über 50.000 sein, darunter knapp 400 Über-70-Jährige. Im Vergleich hoch ist in New York stets die Frauenquote, denn der New York City Marathon galt in seiner Anfangszeit als einer der größten Förderer von Marathon laufenden Frauen.
New York City Marathon