Andrea Mayr schafft in Frankfurt Sprung nach Rio

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© SIP / Johannes Langer
Olympia-Limit anvisiert, Ziel erreicht, Ticket für die Olympischen Spiele in Rio den Janeiro gebucht – trotz einiger schlechter Vorzeichen endete der Frankfurt Marathon für Andrea Mayr erfolgreich. „Ich hatte extremen Respekt vor dem Marathon und wollte auf keinen Fall aufgeben müssen. Das Limit war heute klar das Ziel. Man kann sich im Marathon aber nie sicher sein. Auch auf den letzten zwei Kilometer kann man noch viel Zeit verlieren. Deshalb bin ich etwas kontrolliert gelaufen, um das Limit nicht zu gefährden“, analysierte Andrea Mayr (SVS Leichtathletik) ihren Auftritt beim Frankfurt Marathon sachlich. Der Österreichische Leichtathletikverband fordert von seinen Marathonläuferinnen eine Qualifikationszeit von 2:34 Stunden für eine Nominierung für die Olympischen Spiele 2016, Andrea Mayr hat diese Hürde mit einer Zeit von 2:33:28 Stunden souverän genommen und sich im Ziel emotional über das Gelingen gefreut.
Erschwerende Vorzeichen
Der unerwartete Tod ihres Vaters bei einem Bootsunfall im Sommer hat die sportlichen Ambitionen Andrea Mayrs in den Hintergrund rücken lassen. Nachdem die Vorbereitung auf den Frankfurt Marathon darunter litt, zumal Mayr als Ärztin im Krankenhaus von Vöcklabruck zusätzlich einem Vollzeitjob nachgeht, hatte die 35-Jährige sogar in den Raum gestellt, ihr Olympia-Qualifikationsrennen abzublasen. Erst ein schneller Halbmarathon in der Wachau bekräftigte die Allrounderin in ihren Überlegungen, den Frankfurt Marathon schnell genug absolvieren zu können. Den Start in der europäischen Finanzmetropole widmete sie für alle klar sichtbar ihrem Vater, denn anstatt ihres Vornamens ließ sie den Spitznamen ihres Vaters „Salve“ auf die Startnummer drucken. „Marathon ist Kopfsache. Das war dieses Mal besonders schwierig“, erklärte Mayr rückblickend. Der Start bei den Olympischen Spielen von Rio de Janeiro wird ihr zweiter nach London, der Marathon in Frankfurt war ihr erster „richtiger“ Marathon seit damals, dazwischen hat sie lediglich einmal den Jungfrau Marathon absolviert. Dass dabei mit Rang zehn bei einem großen europäischen Marathon auch noch ein Spitzenresultat herauskommt, ist bemerkenswert. Eine persönliche Bestleistung um sechs Sekunden von Karin Freitag (LG Decker Itter) auf Rang 24 in einer Zeit von 2:42:26 Stunden rundet das hervorragende österreichische Resultat beim Frankfurt Marathon 2015 ab. Die Tirolerin hatte erst 14 Tage zuvor den Graz Marathon gewonnen.
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Lisa Hahner meldet sich eindrucksvoll zurück
Seit exakt zwei Jahren hat Lisa Hahner, beeinträchtigt durch diverse Verletzungen, keinen Marathon mehr beenden können. Damals hatte sie in Frankfurt eine persönliche Bestleistung von 2:30:17 Stunden erzielt. In der Zwischenzeit sorgte ihre Zwillingsschwester Anna für Schlagzeilen mit dem Sieg in Wien 2014 und der persönlichen Bestleistung ein halbes Jahr später in Berlin. Der Optimismus von Lisa vor dem Frankfurt Marathon 2015 war rückblickend mehr als berechtigt, denn die Deutsche meldete sich mit einem Paukenschlag zurück. Im Kampf um den deutschen Meistertitel verwies sie Mona Stockhecke, die als Gesamt-Zwölfte ebenso eine großartige Leistung ablieferte, um fünf Minuten auf den zweiten Rang und beendete einen fantastischen Marathon in einer Zeit von 2:28:39 Stunden, womit sich die 25-Jährige Rang sechs verdiente. „Ich bin super happy mit der neuen Bestzeit. Wenn ich entspannt laufe, kann ich die beste Leistung bringen. Ich habe versucht, locker zu bleiben, das ist gut gelungen“, freute sich Hahner im Ziel. Mit ihrer beeindruckenden Comeback-Leistung hat die Deutsche damit die ohnehin intensive Diskussion um die verschärften Olympia-Limits des DLV verstärkt. Denn während der ÖLV beispielsweise für Andrea Mayr das in vielen europäischen Ländern gängige Limit von 2:34 Stunden vorsah, fordert der DLV eine Zeit von 2:28:30 Stunden, die die Deutsche unglücklicherweise um neun Sekunden verpasste. „Ich freue mich über meine neue Bestleistung, an die verpasste Olympia-Norm denke ich jetzt nicht“, blockte Hahner ab. Die Botschaft hört man, alleine der Glaube daran fehlt…
Thriller in der Festhalle
Der Frankfurt Marathon 2015 der Damen lieferte einen grandiosen Spannungsbogen für Marathonfans. Der Kampf gegen das Olympia-Limit von Andrea Mayr und das starke Comeback von Lisa Hahner konnten sich sogar gegen den Hype um den nationalen Rekord von Arne Gabius bei den Herren behaupten. Doch das Highlight des Rennens der Damen war eindeutig der Kampf um den Sieg, der trotz eines von den Namen her nicht superstarken Feldes auf sehr hohem Niveau ausgetragen wurde. Bis zum Erreichen der Festhalle lagen noch zwei Äthiopierinnen gemeinsam an der Spitze, der Kampf um die besten Plätze entschied sich Marathon-untypisch auf den letzten Metern. Und dort vollendete die nur Insidern bekannte Gulume Tollesa die Sensation und schnappte ihrer weit höher eingeschätzten Landsfrau in einer Zeit von 2:23:12 Stunden den Sieg vor der Nase weg. „Ich habe überhaupt nicht mit dem Sieg gerechnet“, jubelte die 23-Jährige, die davon sprach, sich im Training sehr gut vorbereitet zu haben. Mit dieser Einschätzung war sie nicht alleine, schließlich war kaum vorhersehbar, dass sie ihre persönliche Bestleistung gleich um sechseinhalb Minuten verbessern würde.
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Ein Schritt macht den Unterschied
Auch der zweite Platz durch Dinknesh Mekash, die beim Hamburg Marathon 2014 ebenfalls Rang zwei belegt hatte, darf durchaus als kleine Überraschung angesehen werden. Zum Sieg fehlte Mekash, die mit der gleichen Zeit wie Tollesa gewertet wurde, gerade einmal ein Schritt, dennoch konnte sie sich über eine satte Verbesserung ihrer persönlichen Bestleistung freuen. Zufrieden konnte auch Koren Jelela sein, die bei ihrem erst zweiten Marathon nach einer Babypause wieder ihr altes Leistungsniveau erreichte und bis kurz vor dem Ende noch an der Spitze gelaufen war. Schlussendlich belegte die 28-Jährige mit 40 Sekunden Rückstand Rang drei, während sich Rom-Siegerin Meseret Kitata mit Rang fünf und Paris-Siegerin Meseret Mengistu mit Rang sieben zufrieden geben mussten. Hervorzuheben ist auch Rang vier der Russin Sardana Trofimova, die ihre persönliche Bestleistung um rund vier Minuten steigerte und damit gemeinsam mit Lisa Hahner verhinderte, dass der Frankfurt Marathon zur rein äthiopischen Angelegenheit wurde.
Bei idealen äußeren Bedingungen waren knapp 15.000 Marathonläuferinnen und -läufer bei der 35. Auflage der Traditionsveranstaltung am Main an den Start gegangen.
 
 
Ergebnis Frankfurt Marathon der Damen
1. Gulume Tollesa (ETH) 2:23:12 Stunden
2. Dinknesh Mekash (ETH) 2:23:12 Stunden
3. Koren Jelela (ETH) 2:23:52 Stunden
4. Sardana Trofimova (RUS) 2:24:38 Stunden
5. Meseret Kitata (ETH) 2:27:17 Stunden
6. Lisa Hahner (GER) 2:28:39 Stunden
7. Meseret Mengistu (ETH) 2:28:58 Stunden
8. Agnes Mutune (KEN) 2:30:13 Stunden
9. Risper Gesabwa (KEN) 2:30:49 Stunden
10. Andrea Mayr (AUT) 2:33:28 Stunden

12. Mona Stockhecke (GER) 2:33:54 Stunden
24. Karin Freitag (AUT) 2:42:26 Stunden
111. Monika Stadlmann (AUT) 3:09:14 Stunden
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